Selig seid ihr…

Selig seid ihr…

Betrachtet man die Seligpreisungen beim Evangelisten Matthäus nicht im einzelnen, sondern zunächst als Grobkonzept, so will Jesus uns zeigen, was „Himmelreich“ oder „Reich Gottes“ ausmacht. Am Anfang und am Ende steht „…denn ihnen gehört das Himmelreich“. Damit zeichnet Jesus ein Gegenkonzept der jetztigen Wirklichkeit:

Trost – Gewaltlosigkeit – Freundlichkeit – Gerechtigkeit – Barmherzigkeit – Wahrhaftigkeit – Frieden – Gemeinschaft mit Gott.

Das ist das Gegenteil von dem, was wir oft erleben und wie sich die Realität darstellt. Aber es ist soviel Verheißung, es enthält eine solche Fülle, dass Jesus uns nur sagen kann: Freut euch – Jubelt – seid gelassen im Umgang mit den Erfahrungen, die ihr macht. Die Vollkommenheit Gottes ist sein Geschenk an euch, ihr Auserwählten, ihr Seligen, ihr Glücklichen.

Wer so ein klein bisschen in Himmelreich-Welten rein geluchst hat, der erkennt seine eigene Armut vor Gott. Es ist das Eingeständnis, dass es gerade nicht unser Verdienst ist und wir eben keinen Anspruch auf Gott haben durch unsere Leistung, unser Wissen und unser Tun. Armut vor Gott erkennt: Ich habe am allerwenigsten etwas vorzuweisen, das ich allein wirklich bleibend Gutes und Entscheidendes getan habe. Der Mist überwiegt. Das was gut und gelungen war, ist nicht wirklich mein Verdienst, sondern weil dieser Gott, weil viele andere Menschen, es zum Erfolg gebracht haben. Was nützen schon die vielen Zeilen, die ich schreibe, wenn sie kein Herz berühren. Herzen berühren kann ich nicht, ins Herz treffen, gelingt mir nicht. Was habe ich schon angestellt mit meinem juristischen Feinschliff, den Aufsätzen und Vorträgen? Morgen ändern sich die Gesetze – kein Mensch liest es mehr. Die Entscheidungen? Geben sie die Wahrheit wieder, oder stehen sie wider die Wahrheit? Wieviele Menschen habe ich personell verurteilt – nie kann ich sicher sein, dass sie schuldig sind. Andere umschwärmt und gelobt – waren sie nur einfach geschickter? Armut vor Gott erkennt die eigene Unzulänglichkeit und anerkennt die Absolutheit Gottes.

Der Prophet spricht von einem „demütigen und armen Volk, das seine Zuflucht sucht beim Namen des Herrn“ (Zef. 3,12). Paulus redet davon, dass Gott das Schwache in der Welt erwählt, um das Starke in Schimpf und Schande versinken zu lassen (1 Kor. 1, 26).

Die Armut vor Gott steht am Anfang der Seligpreisungen, weil sie so eine Art Eintrittskarte in sein Himmelreich ist. Ich kann für mich leben und mich an die erste Stelle setzen („Bin ich nicht toll, was ich alles weiß!?“) – ich kann mich unter den Willen Gottes stellen und mich zum Werkzeug seiner Liebe machen (Demut). Erkennen der eigenen Armut vor Gott, macht einen bereits wieder reich, weil ich sehe, was dieser Gott mir zu geben hat und zu schenken bereit ist.

Ist man soweit gekommen, drängt sich das Bekenntnis zu diesem Gott, der in Jesus Christus Fleisch gewordene Liebe ist, und ein aktives Handeln im Sinne seiner Ordnung geradezu auf. Es geht eben nicht um den ganz privaten Glauben, den ich nur im stillen Kämmerlein so vor mich hin verdunsten lasse. Es geht um das aktive Umsetzen – ich „oute mich als zu Christus gehörend“ und für ihn eintretend, ihn bezeugend.

„Um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden“, übersetzt die Basis-Bibel mit „tun was Gott will“, das Gute Tun – anderen gut sein. Es ist das, was „Reich Gottes“ ausmacht: nicht die Ursache von Trauer sein, sondern selbst Mut machen. „Sanftmütigkeit“ verbreiten, d.h. Freundlichkeit, Achtsamkeit, auf die Befindlichkeiten achten, nie die Würde der Menschen um mich vergessen. Nicht immer nur Recht haben, sondern Verständnis und Barmherzigkeit einziehen lassen. Ich selbst kann die Ursache, der Stein eines Anstoßes und des Streits sein – Ich kann aber auch versuchen, eine Situation zu befrieden.

Ja mit diesem Tun bauen wir mit am Himmelreich Gottes,

aber wir brauchen es weder zu erbauen,

noch müssen wir es für uns erkaufen.

Die Seligpreisungen sind ein Trostwort: Durch Jesus Christus kehrt Gott die Verhältnisse radikal um. Er entwirft eine neue Ordnung – selig, wer darin zu Hause sein darf. Freut euch und jubelt! Schon jetzt, heute noch und morgen auch!

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