Geschenk

 

Sie sehen heute alle toll aus. Umwerfend schön!

Glauben Sie das?

Es ist ein Kompliment, das ich Ihnen mache: Ja, sie sehen alle toll aus!

Zweifel in den Gesichtern.

Wenn jemand so etwas sagt, dann will der sicher irgend etwas verkaufen oder irgend etwas bei mir erreichen.

Eine solche Aussage kann doch nur geheuchelt sein.

Ok. Ich fange anders an.

Ist Ihnen das schon einmal passiert, dass Sie ein Geschenk bekommen haben, dass Ihnen unangemessen groß oder wertvoll erschien?

Vielleicht haben Sie auch schon einmal erlebt, dass Sie einen Menschen ganz besonders lieb haben und dann beschlossen haben, diesen Menschen mit etwas zu beschenken, was diesen umhaut. Meinetwegen z.B. ein Auto, eine Waschmaschine, eine Reise oder so etwas.

Und dann passiert es:

Der geliebte und beschenkte Mensch reagiert so, wie Sie eben auf mein Kompliment: Keine Freude, sondern Zweifel, Erschrecken, Zögern, ja, vielleicht sogar Beschämtsein.

Wie kommt das? Wir sind doch in diesem Moment beschenkt worden. Oder durch ein Kompliment gelobt worden. Wir könnten uns doch wie ein Kind freuen über so viel Liebe und Freundlichkeit.

Aber wir tun es nicht.

Weil wir diese Liebe und Freundlichkeit nicht glauben können. Wir können ihr nicht trauen:

Das ist doch sicher nicht ernst gemeint.”

Irgendwo steht doch hier die versteckte Kamera!”

Da ist doch ein Haken dran, wo soll ich denn jetzt im Anschluss den Versicherungsvertrag oder das Zeitschriften-Abonnement unterschreiben?”

Wie kommt das?

Eigentlich ist das ganz einfach zu beantworten: Durch unsere Lebenserfahrung.

Ja, wir mussten in unserem Leben erfahren, dass bei großen Liebesbeweisen oft ein Haken dran ist. Dass diese Dinge gemacht wurden, um etwas bei uns zu erreichen oder uns zu bestimmten Entscheidungen zu bewegen.

In der Werbung sind diese Methoden Standard.

Und vor allem im Vertrieb.

Schade eigentlich.

Uns geht dadurch sehr viel Lebensqualität verloren. Die Freude weicht dadurch immer mehr dem Zweifel, dass die deutlich zur Schau gestellte Freundlichkeit letztlich doch wieder nur Heuchelei ist.

So ähnlich erging es Petrus, als Jesus mit der Wasserschüssel auf ihn zu kam.

Das kann ich jetzt nicht glauben. Das ist doch jetzt sicher nicht ernst gemeint: Der Herr wäscht dem Knecht die Füße! Guter Witz!

Nein. Kein Witz.

Echte Liebe. Keine Heuchelei. Alles Echt.

Unglaublich.

Genau. So ist die Liebe Gottes zu uns Menschen, die sich sowohl in dieser dienenden Handlung ausdrückt, als auch im Opfertod Jesu, bereits im letzten Abendmahl symbolisch als Geschenk an uns übergeben:

Ich schenke mich euch ganz. Dies ist mein Leib, dies ist mein Blut. Alles, was ich bin. Meine ganze Liebe schenke ich Euch. Damit es Euch gut geht.

Welch ein Kompliment!

Welch ein Geschenk!

Und wir?

Wir reagieren zögerlich, zweifelnd, zurückhaltend.

Sie erinnern sich an den Gedanken von eben: Wir schenken ein richtig großes Geschenk und ernten diesen Zweifel. Wie fühlen wir uns dabei?

Wir geben voller Liebe und den besten Gedanken – und ernten Zögern.

Das ist frustrierend. Da gibt man sich alle Mühe, jemandem die eigene Liebe zu diesem Menschen zu zeigen – und bekommt nicht geglaubt.

Die Menge der Liebe, ausgedrückt in der Größe des Geschenkes ist unüblich. Zu viel, zu groß, zu lieb, zu teuer, zu wertvoll.

Das entspricht nicht unseren üblichen Erfahrungen.

Das entspricht nicht unseren Maßstäben.

Und das ist es eigentlich, dessen wir uns vor Gott schämen sollten: Dass wir seinen umfassend größeren Maßstab nicht glauben können oder wollen und statt dessen unseren Maßstab anlegen, der allerdings für die Unermesslichkeit der Liebe Gottes ungeeignet ist. Er ist zu klein.

Gerade in den Texten zu Gründonnerstag wird dieser Unterschied deutlich. Wir sind von Gott mit einer Liebe geliebt, die alle unsere Maßstäbe sprengt. Was uns bleibt, ist letztlich nur ein beschämtes “Dankeschön, lieber Gott”.

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