An Himmelfahrt ist Beisetzung

Heute feiern wir den triumphalen Abschluss der Erdenmission Jesu Christi. Er wird unseren Augen entzogen und in die jenseitige, unsichtbare Welt überführt, die parallel zu unserer Zeit in Ewigkeit besteht.

Das Christentum ist eine sehr anspruchsvolle religiöse Haltung.

Im Christentum gibt es viele Paradoxien, also Widersprüche, die erst einmal genauer nachgedacht werden wollen, bis man sie verstehen kann.

Ein paar Beispiele:

Das Kruzifix bedeutet für Nichtchristen ein Zeichen der Marter und der Qual. Ein geschundener und unschuldig ermordeter Mensch hängt dort.

Für Christen ist das zwar auch so, aber es bedeutet für uns mehr. Für uns bedeutet es auch ein Zeichen der Hoffnung auf ewiges Leben.

Für Nichtchristen ist weltlicher Reichtum, Macht, gesellschaftlicher Stand und Geltung das Lebensziel. Für Christen ist es die Liebe, das Verschenken, die Selbstlosigkeit und die Demut.

Für Nichtchristen besitzt der Mensch den höchsten Rang, der möglichst viele Untergebene hat. Für Christen besitzt der Mensch den höchsten Rang, der der Diener aller ist, der der niedrigste ist.

Und so weiter.

Ähnlich paradox erscheint dieser Tag der Himmelfahrt Jesu Christi zu sein: Jesus geht.

Das ist ganz ähnlich wie bei einer Beerdigung.

Ein geliebter Mensch geht. Wir können ihn nicht mehr sehen oder anfassen. Irgendwie fehlt dieser Mensch und es kommen uns Zweifel, ob dieser Mensch nun wirklich weg ist, oder ob er noch irgendwie da ist.

In der Himmelfahrt Jesu Christi passiert das Ähnliche. Er geht, sagt aber gleichzeitig, dass er da bleibt, dass er immer bei uns ist und uns am Ende abholen wird.

Wir feiern heute also in besonderer Weise die Beisetzung Jesu Christi. Ich möchte diesen Gedanken der Beisetzung einmal etwas näher erklären.

Während wir Menschen bei unseren Beisetzungen in der Regel die sterblichen Reste der Verstorbenen beerdigen,

wird Jesus Christus – sie verzeihen mir dieses Wortspiel – quasi „behimmeligt“.

Wir kennen das Wort „gehimmelt“, was ähnliche Bedeutung hat. Eine gehimmelte Sache ist kaputt, die „Seele“ dieser Sache ist dann im Himmel.

Heute wird Jesus also nicht beerdigt, sondern behimmeligt.

Und beigesetzt.

Nämlich, wie wir in den Schrifttexten gehört haben, an die Seite des Vaters beigesetzt.

Und das genau ist uns in gleicher Weise verheißen.

Ich ziehe Euch an mich. Auch ihr sollt da sein, wo ich sein werde.“

Unser christlicher Glaube bedeutet auch, dass wir fest darauf vertrauen, ebenfalls bei unserer Beisetzung sowohl beerdigt, als auch behimmeligt zu werden.

Während unsere sterblichen Reste beerdigt werden, wird unsere Seele behimmeligt.

Und wir werden wie unser Herr Jesus Christus zur Festtafel des Herrn beigesetzt und dürfen an der Freude des Himmels ewig teilhaben.

Wir folgen Jesus nach.

Er hat sein Himmelfahrtskommando im wahrsten Sinne des Wortes überstanden.

Sie wissen:

Ein „Himmelfahrtskommando“ entstammt der Militärsprache und meint, dass eine Mission so derartig gefährlich ist, dass man mit größter Wahrscheinlichkeit nicht mehr lebendig davon zurück kommt.

Von unserem Leben wissen wir im Grunde dasselbe.

Es ist wie mit Jesus.

Wir werden auf dieser Erde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sterben.

Das Leben auf der Erde ist ein „Himmelfahrtskommando“.

Auch hier sehen Christen diesen Umstand positiv.

Erst vor dem Hintergrund von Ostern und der Himmelfahrt Jesu Christi wird der ganze Sinn der Mission deutlich:

Es geht darum, Menschen zu gewinnen. Ihre Liebe zu entfalten, damit diese ohne Angst um sich selbst dieses irdische Himmelfahrtskommando überstehen.

Und zum letzten Ziel gelangen: Zu unserer Beisetzung.

Zum Festmahl am Tisch des Herrn.

Auf ewig.

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