Gott ehren – ihm dienen – wozu und warum?

Ehren und Loben und Dienen zum Heil der Seelen

Warum sind Sie auf dieser Welt? Was erwarten Sie vom Leben? Welche Lebensaussichten habt ihr?

Eine Antwort scheidet wohl von vornherein aus und stammt aus einer anderen Galaxie:

„Der Mensch existiere allein um Gott zu ehren und zu loben, Gott zu dienen und so das Heil seiner Seele zu erreichen“

Was für ein Käs´! Wenn das alles sein soll, dann verzichte ich gern.

Was hat denn Gott davon, dass ich ihn ehre und lobe? Braucht der das etwa für sein Ego? Wenn Gott unsere Ehrerbietung und Lob braucht, dann ist er doch abhängig von uns. Man kann ihn abschaffen, indem man ihm diese Dinge verweigert.

Dienen? Braucht er Diener, die etwas für ihn erledigen, weil er es selbst nicht hinkriegt? Wenn Gott Ehre, Lob und Dienste braucht, dann kann es nicht weit her sein mit seiner Göttlichkeit.

Was das Heil der Seelen anbelangt: Steckt da nicht eine heimliche Drohung dahinter? Wenn Du nicht … dann kriegste nix!

Irgendwie kam es doch dazu, dass ich mich mit diesem komischen Satz aus dem Mittelalter beschäftigte.

Was heißt das eigentlich: Jemanden ehren und loben?

Man hat die Ehre – Man gibt jemandem die Ehre!; „Ehre, wem Ehre gebührt“ Jemanden ehren ist jedenfalls nicht, achtlos an ihm vorbei zu laufen. Ein kurzes „Wie geht`s“ und zu hoffen, dass der andere mit dem üblichen „Gut“ antwortet, zeigt kein hohes Interesse.

Ehre hat etwas zu tun mit Achtung, Anerkennung, Ansehen, Wertschätzung.

Ehre wird verliehen durch andere; jemandem zugesprochen – Steht es mir zu, Gott etwas zu verleihen?

Ich denke, dass vor aller Ehre zunächst ein Erkennen und Sehen kommt. Ich muss erst einmal etwas wahrnehmen, was ehrwürdig ist. Jetzt frage ich Sie: „Was nehmen Sie wahr von Gott oder Gottes Wirken?“

Das erste, was ich wahrnehme ist: Das Leben.

Das Leben rings umher. Die Natur, das Grün, der blaue Himmel, sommerliche Wärme. Der Hund der spielt. Ich selbst – darf leben. Ich darf schaffen und gestalten. Ich tausche mich aus, rede und lache.
Wir neigen ja dazu, alles erst einmal schlecht zu sehen. Es scheint mehr Probleme als Lösungen zu geben und sowieso: das Ende der Welt steht kurz bevor – dabei lebe ich mit Freunden. Mein Leben kennt Liebe, Ausgelassenheit, Spaß und Spannung. Auch im Alter und in Krankheit kann es noch die Freude am Leben geben. Meine Eltern sind und waren mir da wahre Lehrmeister, und ich kenne eine Familie mit einer alten Dame, die bereits an Demenz erkrankt ist – und doch tobt dort das wahre Leben, viel Lachen und Freude.

Wie oft schon wurde ich in meinem Leben vor Schlimmerem bewahrt, was ganz übel hätte ausgehen können. Im Nachhinein kann ich dankbar sein, dass manches nicht so gekommen ist, wie ich es gerne gehabt hätte. Es gibt vieles, wofür ich Gott loben und danken kann. Zumindest ist dieser Gedanke nicht weniger abwegig, als alle Ereignisse auf einen puren Zufall und die Laune der Natur zu schieben.

Ignatius von Loyola spricht davon, dass man Gott in allen Dingen des Lebens finden kann. Er sieht Gott an allen Ecken und Kanten seines Lebens am Werk, in den guten wie in den schlechten Erfahrungen. Ignatius ist fest davon überzeugt, dass dieser Gott es gut mit ihm meint. Er vertraut darauf, dass ihn Jesus Christus an die Hand nimmt: sein Leben, sein Lieben, seine Freude ebenso wie sein Krankheit, sein Leiden und letztlich sein Sterben werden zum Besten geführt und in eine Vollkomenheit hinein geleitet. Ich darf mein ganzes Leben genießen, ich darf es aber nicht vergöttlichen und mein Leben an die Stelle Gottes setzen.

Doch wer oder was ist dieser Gott eigentlich? Wen soll ich da denn loben und ehren?

Johannes vermeidet es in seiner Vision der Offenbarung, Gott irgendwie konkret zu umschreiben. Es umschreibt etwas, was er nicht in Worte fassen kann: Gott ist jemand, der eine Herrlichkeit hat, die alle Edelsteine der Welt nicht widerspiegeln können. Von ihm geht eine ungeheure Macht und Kraft aus, die alle anderen Kräfte erstarren lassen. Er hat alle Macht an Jesus Christus übergeben und ist mit ihm eines Geistes. Ein Geist, der aus dem Vater und dem Sohn hervor geht, beide umfängt und alles durchweht. In Jesus Christus erscheint die Fülle Gottes, die wir eigentlich nicht erfassen können. Er ist das Gesicht Gottes in der Welt.

Gott die Ehre geben?

In einem Hochgebet heißt es: „Unser Lob kann deinen Ruhm nicht mehren.“ Gott braucht unsere Ehrerbietung nicht für sich selbst. Es scheint vielmehr so zu sein, dass unsere Ehrerbietung auf uns selbst wieder zurückfällt.  Wir sollen erkennen: Wir sind diejenigen, die ohne ihn überhaupt keine Existenz hätten. Du bist, weil er dich und dein Leben will. Dies zeigt: Nicht wir geben Gott die Ehre aus uns heraus, sondern umgekehrt: Gott gibt uns Ehre, Anerkennung und Ansehen (Ps. 8,5). Wir sind nur diejenigen, die auf diese Ehre antworten und sie wahrnehmen.

Warum tut er das? Was hat er davon?

Ich denke: Er hat einfach Spaß und Freude am Leben. Er ist ein Gott des Lebens, der Lebensfreude und der Liebe. Diese Lebensfreude und Liebesleben will er uns in Vollkommenheit schenken. „Zur Rettung der Seele“ nennt das wohl Ignatius. Leben hier will Vorstufe und Entscheidungsraum sein für ein vollkommenes Leben in Gott. Das stülpt er uns aber nicht einfach über, sondern legt es uns als Angebot auf den Tisch: Glaubst Du an mich? Vertraust Du dein Leben diesem Jesus Christus an? Öffnest Du dich meinem Geist, der in dir wohnen will?

„Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ Das nenn´ ich ´mal eine Aussicht – eine Lebensperspektive.

Ach ja: Das mit dem Dienen…kommt vielleicht später, danach…oder auch zusammen…Denken Sie mal drüber nach!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.