Verklärung des Herrn – Klarheit im Gewirr des Säkularismus

Vielleicht haben Sie am 1.7. 2017 in der Allgemeinen Zeitung den viel beachteter Gastbeitrag des Publizisten Christian Nürnberger gelesen. Titel „Religöse, nehmt euch zurück!“ Der Artikel hat eine große Resonanz nach sich gezogen:

Chapeau – Kommentare dieser Qualität würde ich gern öfter lesen.“

Selten haben wir einen so guten und treffenden Beitrag zum Thema Religion gelesen“

Besser kann man religiöse Toleranz nicht beschreiben“

Dieser Artikel sollte Pflichtlektüre in allen Bildungseinrichtungen werden.“

Was hat der gute Mann denn nun so tolles geschrieben?

Er stellt zunächst einmal klar, dass Religion – und die Menschen, die sie leben, einfach nur nervig sind. Religiöse Menschen haben in seinen Augen ihren Verstand abgegeben und sind zu einem selbständigen Denken überhaupt nicht mehr fähig. Religionen sind die Ursache für Hass, Gewalt und Intoleranz. Diese Leute ergehen sich in antiken Bräuchen und Weltbildern, die keinerlei konkrete Bedeutung mehr haben. Sie veranstalten ein „ religiöses Gedöns“ um nichts und praktizieren ein Leben in sinnlosen Ritualen und mit Ansichten, die eines modernen, westlichen und aufgeklärten Durchschnittsbürgers unwürdig sind.

Das einzige Positive, was er ausfindig machen kann, ist: Nächstenliebe – Frieden – Teilen. Das sieht er als Kern jeder religiösen Botschaft und darauf sollen wir uns konzentrieren. Das sollen wir konkret umsetzen – gut iss. Mit allem anderen Gedöns will weder er, noch der Staat oder die Gesellschaft überhaupt belästigt werden.

Ich denke, der Mann hat Recht.

Wenn der Kern des Christentums „Nächstenliebe – Frieden – Teilen“ ist, dann können wir uns das alles hier sparen. Dafür brauche ich keine Religion, dafür brauche ich keinen Gott. Auf den Gedanken, dass es sich im Frieden besser leben lässt als im Krieg, kommt selbst ein unterdurchschnittlicher, nicht-westlicher und unmodern Nicht-Aufgeklärter. Dass gegenseitige Solidarität gesellschaftlich irgendwie sinnvoll ist und insgesamt zu stabileren Konstellationen führt – auch das muss mir kein göttliches Wesen in nächtlichen Geheimsitzungen klar machen.

Um was es im Christentum tatsächlich geht ist etwas ganz anders: Wir sind und bleiben Wesen, die auf Gott hin geschaffen sind und ihm gegenüber letztlich rechenschaftpflichtig sind. Gott ist nicht abhängig von uns, sonder wir von Gott. Wir sind nicht Richter über uns selbst oder über diese Welt mit ihren Menschen (einschließlich des Herrn Nürnberger), sondern er. Wir urteilen nicht über diesen Gott, sondern er urteilt über uns. Er ist der Größere, der uns liebt, beschenkt und machen lässt in Freiheit – bis zu einem bestimmten Punkt und mit den entsprechenden Konsequenzen.

Das religiöse Gedöns, das wir heute feiern, nennt sich „Verklärung des Herrn“. Heute wird Klarheit geschaffen und Klartext geredet. Es geht um eine klare Aussage und ein klares Bekenntnis. Die Luther-Übersetzung und die Basisübersetzung reden daher nicht von „Verwandlung Jesu“, sondern „ er wurde verklärt“ bzw. „da veränderte sich sein Aussehen“. Beides sagt: Es wird klar sichtbar, was ansonsten nicht ohne weiteres erkennbar ist.

In Jesus Christus begegnen wir nicht irgendeinem guten Menschen, der die Welt mit einigen liebenswerten Lebensweisheiten beglückt hat, sondern in ihm begegnen wir Gott selbst. Er ist es, dem Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Ihm müssen letztlich alle Völker, Nationen und Sprachen dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Er ist es, dem das Urteil über uns zusteht. Das ist etwas, was „den ach so Weisen und Klugen, den modernen, westlich Aufgeklärten, verborgen bleibt, aber den einfachen Leuten mit ihrem religiösen Gedöns offenbart wurde“ (Mt.11, 25).

Jesus nimmt die Jünger mit auf den Berg. Das ist der Ort der Gottesbegegnung und Gotteserfahrung. Er erinnert an Berg Sinai, auf dem Mose Gott begegnet. Wolken, Donner und Blitzen sind Bilder für die Macht und Größe dieses Gottes. Er erinnert an den Berg Horeb, auf dem der Prophet Elija Gott im sanftem Säuseln der Stille begegnete. Jesus Christus ist derjenige, der uns in die Begegnung mit Gott hinein führen will. Das was Petrus vorschlägt, will Jesus Christus uns auch tatsächlich schenken: Wohnung und Zuhause-Sein in der Gegenwart des allmächtigen Gottes. Hinein genommen werden in die ewige Liebe des Vaters zum Sohn im hl. Geist.

Die Reaktion der Jünger ist eindeutig: hinfallen, anbeten, sich der Situation und des Gegenübers klar werden. Aus dieser Klarheit heraus, tritt Jesus auf sie zu, fasst sie an und sagt: „Habt keine Angst. Ihr seid die Geretteten und Geliebten Gottes.“

Wem das nur religiöses Gedöns ist, das einfach nur nervt, der kann bleiben wo er ist:

Der Mensch in Pracht, doch ohne Einsicht, /

er gleicht dem Vieh, das verstummt.

Der Tod führt sie auf seine Weide wie Schafe, /

ihre Gestalt zerfällt und verwest.

Doch mich – mich wird Gott loskaufen aus dem Reich des Todes, /

ja, er nimmt mich auf.

Sicherlich: Es steht niemanden zu ein solches Urteil zu sprechen, außer Jesus Christus. Es ist aber legitim darauf hinzuweisen, dass es solches Urteil möglich ist!

Was Herr Nürnberger will: Uns den Mund verbieten, uns zurück drängen in den hintersten Winkel unserer Häuser, so dass man uns nicht wahrnimmt: Das ist die Intoleranz der All-Toleranten.

Nein, ich lasse mich nicht in den eigenen Hinterhof und die Abstellkammer meines Hauses verbannen, um ganz im Geheimen meinen Glauben zu leben. Glauben lebt aus der Gemeinschaft, Glauben drängt nach außen, weil er den Menschen etwas zu sagen hat, das gerade gegen den Mainstream der vermeintlichen Aufgeklärtheit, der Beliebigkeit und Selbstgerechtigkeit steht.

Deinen Tod oh Herr verkünden wir,

Deine Auferstehung preisen wir,

bis du kommst in Herrlichkeit.“

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