Die Bundestagswahl – Christen und Politik

Menschen haben eine unterschiedliche Lebensgeschichte mit unterschiedlichen Erfahrungen, die ihre Meinung gebildet haben. Dazu kommen noch Mentalitätsunterschiede und Temperamentsunterschiede. Und natürlich deshalb auch Unterschiede in der politischen Meinung. Das sollte eigentlich kein Problem sein, weder in der politischen, noch in der kirchlichen Welt. Ist es aber. Und das ist sehr schlimm.

Jesus Christus beruft z.B. einen Zöllner namens Matthäus zum Apostel, zum Jünger. Er isst mit ihm und anderen „Zöllnern und Sündern“. Den Pharisäern – damals die Vertreter des moralisch und „politisch Korrekten“ – war das ein Dorn im Auge: „Wie kann er so etwas tun?“ Diese „unmoralischen“ Menschen wurden ausgegrenzt und so sollte es auch bleiben.

Jesus aber geht auf diese Menschen zu. Er interessiert sich für ihre Geschichten, für ihre Sorgen und ihre Schwierigkeiten. Und er fordert uns auf, es ihm gleich zu tun. Auch wenn wir – gerade als menschenfreundliche Christen – eine politische Grundausrichtung besitzen, dürfen wir uns nicht dazu verführen lassen, lediglich aus Gründen des „allgemein Gültigen“ Menschen zu diffamieren oder auszugrenzen. Genauso wie in den christlichen Kirchen sind nicht alle Wähler einer bestimmten Partei, alle Migranten, alle Muslime, alle Konservativen oder sehr Konservativen etc. über ein und denselben Kamm zu scheren. Besonders schmerzlich ist dabei, wenn sogar hochrangige Kirchenvertreter um der erwarteten höheren Beliebtheit willen bei solchen Ausgrenzungsfeldzügen mitmachen. Wir sind alle Gotteskinder – unartig zuweilen, aber dennoch geliebt. Und jede Meinung hat eine Würde. Erst die Diskussion, das Interesse am konkreten Menschen macht das Ganze fruchtbar. Und hier ist auch die deutliche Grenze zwischen der Politik und dem christlichen Glauben: Politik will Standards für Kollektive setzen, die Christen sollen sich in Liebe besonders um den konkreten Mitmenschen kümmern – egal, wer das dann ist und welche Meinung dieser hat. Die Demokratie ist genau aus diesem christlichen Geist gewachsen – nichtchristliche Länder hatten und haben in der Regel leider keine Demokratie. Demokratie bedeutet aber nicht Ausgrenzung, sondern Gespräch, Ringen um Kompromisse und Konsens.

Und letztlich, dass in allen meinen Mitmenschen auch Gott wohnt.

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