Keiner kann und keiner soll alleine glauben

Ich habe das diesjährige Plakat des Bonifatiuswerkes zum Diaspora-Sonntag abgeändert. „Keiner kann alleine glaube – keiner soll alleine glauben“

Eindruchsvoll zeigt das Plakat Gottes Segen über der Gemeinschaft – Gottes Segen gilt der ganzen Familie: Nicht nur dem Vater als Vater – der Mutter als Mutter – dem Kind als Kind.

Gott segnet die Familie als solche in ihrer Einheit und in ihrer gegenseitigen Verwiesenheit und Abhängigkeit. So segnet Gott auch sein ganzes Volk – alle die zu ihm gehören als Gemeinschaft – als große Familie, gleichgültig, in welcher Art und Weise und Rolle der Einzelne in diese Familie Gottes eingebunden ist.

Keiner kann alleine glauben

Niemand gibt sich seinen Glauben selbst, sondern der Glaube kommt vom Hören und Weitersagen des Wortes Gottes. Überall, wo Eltern ihren Kindern etwas von Christus erzählen, wo Lehrer von Christus berichten und in der Kirche über ihn gesprochen wird, überall dort vollzieht sich der Glaube in Gemeinschaft von Du-zu-Du.

Immer dort, wo Glauben nur und ausschließlich im eigenen „Ich“ gesucht wird, da besteht die Gefahr, dass es nicht der Glaube an Gott ist, sondern dass der Einzelne nur auf sich selbst trifft – auf seine Vorstellungen, Wünsche und Ziele. Dort macht man sich Gott selbst – oder noch schlimmer: Dort macht man sich selbst zum eigenen Gott.

Wir brauchen einander, damit wir uns gegenseitig den Glauben hinterfragen, zusagen, bestätigen, korrigieren können. Wir brauchen einander, damit wir zusammen Glauben erfahren können, weil Glaube in Gemeinschaft geschieht und gelebt wird. Nicht jeder hat dieselbe Aufgabe und Rolle. Das Maß und die Art der konkreten Glaubensgestaltung sind unterschiedlich (Röm 12, 3). Glaube wächst im Hl. Geist, der nicht nur dem einzelnen zugesagt ist, sondern allen – in Gemeinschaft – als Familie Gottes.

Keiner soll alleine glauben

Selbst da, wo ich selbst meinen Glauben habe und mir seiner sicher bin, da darf ich ihn gar nicht für mich behalten. Ich muss ihn weiter geben, ich bin gerufen zur Verkündigung. Ich bin verpflichtet, ihn zu leben. Glaube leben – das geht nur, wenn ich aus mir heraus gehe – auf andere zugehe – meinen Glauben in Worten und Taten umsetze.

Den Glauben empfange ich als Segen Gottes und als Gabe des Hl. Geistes (Röm 12, 3). Zum Segen soll ich werden für alle, denen ich begegne. Segen soll ich austeilen in meiner Familie, unter meinen Freunden und Verwandten, in der Schule und auf der Arbeit, in der Freizeit und wo immer sich die Gelegenheit bietet.

Wenn man weder allein glauben kann, noch allein glauben soll, sondern wir uns als Gemeinschaft, Familie, Volk Gottes verstehen sollen, dann sind wir zur gegenseitigen Solidarität und Hilfe gerufen und verpflichtet. Mehr noch: Wo Solidarität gelebt wird, da entsteht und vertieft sich diese Gemeinschaft – Da lebt Kirche Christi neu auf.

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