Mit stark beschränkter Haftung: die Armleuchter

Dieser Tage stellen wir fest, dass zu milde Gerichtsurteile, übertriebene Rücksichtnahmen zulasten der Regeltreue und Ausnahmen von grundlegenden Regeln zunehmen.

Zusätzlich werden die globalisierten Wirtschaftsverflechtungen komplexer und unübersichtlicher. Schließlich entsteht gerade über SocialMedia und Digitalisierung ein weiterer Dschungel an möglichen, aber nicht letztlich zuordenbaren Verantwortlichkeiten. Da, wo es noch ein wenig nach Verursacherprinzip aussehen könnte, werden sofort Fragezeichen hinzugefügt und Gegenteile behauptet.

Schauen wir auf das mögliche Ende dieser Dinge:

In einer Welt, in welcher Regeln nicht mehr für die ganze definierte Gruppe gelten, wo einzelne sich ungestraft Sondertatbestände ermogeln können, damit auch noch durchkommen und die breite Masse der Geschädigten auf ihren Nöten sitzen bleibt, in einer solchen Welt geht alles unter.

Ohne streitbaren Regelkonsens und echter Gleichbehandlung können wir uns bereits jetzt von jeglicher kulturellen Qualität verabschieden. Der Relativismus, die Wurschtigkeit und die Verantwortungslosigkeit unserer höchsten Gesellschaftsränge machen Schule und werden ihre fragwürdigen Früchte tragen, zweifellos.

Unsere Politiker überschlagen sich in der Buhlerei um gesellschaftliche Anerkennung und werfen sich zurecht gegenseitig Populismus vor. Dieser ist übrigens in einer Demokratie immer auch ein notwendiger Bestandteil: Eine Mehrheit will überzeugt sein – und der einzelne Bürger hat eine Meinung, die nicht gleich deshalb schlecht sein muss, nur weil sie von der eigenen abweicht.

Franz Josef Strauß sagte einmal in einem solchen Zusammenhang:

„Everybodies darling ist allzu oft nur everybodies Armleuchter!“

In der Zeit der allgemeinen ziellosen Anerkennungssucht wird nicht mehr erkennbar, wer für was wirklich steht, wer für welche Dinge wirklich auch verantwortlich ist oder haftbar gemacht werden kann. Vor allem auch in der digitalen Welt. Ohne die eindeutige Zuordnung von Ursache und Wirkung gibt es keine Erkenntnis, keine Wissenschaft, keinen gesellschaftlichen Zusammenhalt und keine Kultur mehr.

Es braucht dieser Tage viel Glaubenshoffnung, um das unausweichliche Desaster unserer Menschendynamik annähernd ausgeglichen zu überstehen.

„Wo lassen Sie denken?“ war noch vor nicht allzulanger Zeit eine Scherzfrage.

Der Scherz ist weg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.