Elija – Gott und die Baale der Zeit

Bei der Verklärung Jesu sind Mose und Elija bei  ihm. Warum gerade diese beiden?

Mose, der das Volk aus Ägypten geführt hat, dem Gott am Dornbusch begegnete und sich ihm offenbarte. Der Gott auf dem Berg Sinai begegnete und die 10 Weg-Weisungen für das Volk gab. Der große Mose bei Christus – das kann man verstehen. Aber warum ausgerechnet Elija?

Nur wenige Kapitel im Buch der Könige schreiben zusammenhängend von ihm. Dennoch wurde sowohl Johannes der Täufer, als auch Jesus selbst gefragt, ob sie Elija sind.

Elija lebte z.Zt. des Königs Ahab. Denkt man an Ahab und seine Frau Isebel, so denkt man an einen schlechten König, einen gottlosen oder besser vom Glauben abgefallenen König. Jemand, der dafür verantwortlich ist, dass jüdische Glaubensstätten zerstört, oder – wir würden heute sagen – „umgewidmet“ wurden. Interessanterweise kann man das auch ganz anders sehen – und noch interessanter ist dann der Vergleich zu unserer Zeit.

Ahab wurde König des Nordreichs Israel als der Glanz Salomons verfallen war. Kriege, Auseinandersetzungen, Streit und oft auch Not kennzeichnen die Lage. Ahab steht für einen wirtschaftlichen Aufschwung, rege Bautätigkeit und die Aussöhnung Israels mit der umliegende Staaten- und Gesellschaftswelt. Er steht für eine liberale Religionspolitik. Was man ihm vorwirft, sieht er ganz anders, ja sogar modern:

Was ist schlecht daran, sich mit umliegenden Staaten auszusöhnen? Doch wohl nichts. Wenn er sich mit den umliegenden Staaten aussöhnen wollte, konnte er nicht über deren religiöse Gefühle hinweg gehen. Dort wurde überwiegend der Wetter- und Fruchtbarkeitsgott Baal verehrt. In seinem Land lebten etliche, die dieser Religion nachfolgten. Aus der Sicht des Ahab war es ein Stück Toleranz, diesen die Ausübung ihrer Religion zu ermöglichen. Es war ein Gebot der Fairness, dass diese eigene Kultstätten errichten durften. Er selbst war mit einer Prinzessin aus Phönizien verheiratet, die dieser Religion anhing.

aus: „Bibel Heute“ 12, 2017

Mit Baal wird oft das Bild eines Stieres verbunden. Dabei ist der Stier selbst gar nicht das Bildnis des Gottes Baal. Das Stierbild wurde vielmehr als Podest für den unsichtbaren Gott benutzt. Nicht das Stierbild, sondern der auf dem Stierbild thronende unsichtbare Gott wurde angebetet. Wer der unsichtbare Gott ist, wurde jedem selbst überlassen. Es konnte Baal oder auch JHWH sein. So gesehen haben Ahab und Isebel eine gute Integrationspolitik geleistet.

Das ist doch hoch aktuell:

Ist es nicht so, dass das Stierbild unserer Zeit die alles vereinnahmende „Toleranz-Doktrin“ ist? Auf dem Stierbild der Toleranz kann doch alles und jedes gleichberechtigt seinen Platz einnehmen. Es ist doch egal, an wen und an was man glaubt. Juden – Muslime – Christen – Buddhisten – Hindus: Das ist doch alles gleich und dasselbe. Lasst doch jeden auf den Stier setzen, wen er will. Ja, für immer mehr Menschen ist da Platz für das „Nichts“. Auf dem Rücken des Stieres reitet – Nichts. Es gibt keinen Gott, egal wie man ihn bezeichnen mag. Der Toleranz-Stier trägt auch das Nichts als Vergöttlichung des eigenen Lebens.

Was will der Elija?

Sollen alle Phönizier, Moabiter und wer auch immer, aus dem Land gejagt oder gar ermordet werden?

Geht es heute darum, nicht mehr mit Muslimen zu reden, alles Fremde aus unserer vermeintlich heilen Welt zu verjagen, und die Freundschaft mit Atheisten aufzukündigen? Sind alle Hindus schlechte Menschen, die eh in der Hölle schmoren werden. Und alle, die eine Taufbescheinigung vorweisen können, gleich Heilige? Sollen wir das Loblied des christlichen Abendlandes anstimmen? – Mit Sicherheit nicht!

Elija ist der Prophet der Klarheit, Eindeutigkeit und Standfestigkeit im Glauben an den einen Gott: Es gibt nur einen Gott – dieser eine Gott ist der Herr. Zu diesem muss und wird er sich bekennen. Alles andere sind Wege, die nicht – oder nicht unmittelbar – zum Ziel führen.

Wegen dieser Klarheit und Eindeutigkeit eckt Elija an. Diese Mahnung will niemand hören. Wegen dieser Klarheit wird er verfolgt. Es ist aber auch die Klarheit, mit der Elija in die Welt gesandt wurde.

Elija ist der Prophet der Verzweiflung und des Trostes:

Er angefeindet, verfolgt und muss fliehen in die Einsamkeit der Wüste. Er kann nicht mehr. Er ist am Ende.

„(Elija) setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben;“  Elija fühlt sich als Versager und meint, er könne letztlich nichts bewegen. Er glaubt, sein ganzes Bemühen sei sinnlos und erfolglos. Er befürchtet, einfach alles falsch gemacht zu haben. Er hat Angst um sein Leben. Er legt sich hin, um zu sterben.

Aber Gott rührt ihn an durch die Hand seines Engels und reicht ihm Brot, das in feuriger Asche gebacken wurde, und ein Krug Wasser. Ohne dass Elija es selbst aussprechen kann, gibt ihm Gott, was er am Nötigsten braucht:

Er gibt ihm Ruhe, Distanz und Nahrung – Brot des Lebens – für die lange Reise seines Lebens. Er ruft ihn erneut und führt in zum Gottesberg Horeb in eine Höhle.

Dort wird er zum Propheten, der mit der Gegenwart und Herrlichkeit Gottes  beschenkt wird. Ihm wird gezeigt, dass er, JHWH, der Gott ist, dem alle Macht zur Verfügung steht. Das alles verzehrende und vernichtende Feuer. Der Sturm, der alles hinwegfegen und niederreißen kann. Die sich auftuende Erde, die alles verschlingt wie ein großes schwarze Loch. Da findet sich Tod und Vernichtung und ein endgültiges Aus.

Ihm wird aber auch gezeigt, dass JHWH das alles nicht braucht, sondern in dem ruhigen, geduldigen, säuselnde und sanften Gegenwart der Stille erfahren wird. Sein Weg ist der mühsame Weg der Liebe und Zuwendung. Der Weg der kleinen Schritte und leisen Töne der Mitmenschlichkeit.

Er zeigt ihm: Du bist doch gar nicht allein: 100 Propheten stehen dir zur Seite. Eine ganze Prophetenschule wird dein Werk fortsetzen. Ich, Gott mache weiter mit Elischa, wie ich mit Dir weiter gemacht habe, was ich vorher mit anderen angefangen habe.

Und letztlich nimmt Gott ihn auf in seine Herrlichkeit und unaussprechliche Gegenwart.


Das ist noch heute die Botschaft der Umkehr und Hinwendung, die uns geschenkt wird:

In einer immer bunter werdenden und unübersichtlichen Welt der vielfältigsten Heilsverkünder sind wir zur einer Klarheit und Eindeutigkeit des Bekenntnisses an Jesus Christus als denjenigen aufgerufen, der uns retten, erlösen und vollenden kann.

Dabei stoßen wir nicht auf jubelnden Zuspruch, sondern müssen mit Ablehnung rechnen. Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit aus den unterschiedlichen Gründen kennen viele von uns. Sie lähmen uns und führen uns in die Einsamkeit und Niedergeschlagenheit. Dann können wir uns an Elija erinnern: Gott lässt uns nicht allein. In Verzweiflung und Trost. Lassen Sie uns wie Elija immer wieder Orte der Ruhe, des Rückzugs und der Besinnung aufsuchen, damit wir von Christus her gestärkt werden. Unsere Arbeit ist weder so sinnlos noch unfruchtbar, wie es die des Elija gewesen ist.

Wie Elija in die Herrlichkeit und Gegenwart des allmächtigen Gottes entrückt und erhoben wurde, und wie die Jünger die Herrlichkeit Jesu erkannten, so ist auch uns heute die Herrlichkeit und Gegenwart Gottes in unserem Leben zugesagt.

Ja, noch mehr: Jesus Christus nimmt uns in die Herrlichkeit Gottes mit hinein. Er lässt sich finden und seine Gegenwart ist keine Illusion.

Lassen sie uns festhalten an der Gewissheit: „Jesus Christus ist der Herr!“ Er nimmt nicht nur uns mit in seine Vollendung, sondern alle, die er berufen hat – gleich auf welchen Wegen.

Kehren wir ein bei diesem Gott, der uns in Jesus Christus erschienen ist und der uns mit seinem heiligen Geist erfüllen will.

 

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