In de Bütt: Wat han de Freiredner, wat mir net han?



Teil I Gespräch

Sepp) Na, bist du schon aufgeregt?

Depp) Warum, das denn

Sepp) Nun, Du bist bald überflüssig und wirst abgeschafft.

Depp) Wie das denn

Sepp) Es gibt bald ne neue  Weltordnung. – Da ist kein Platz mehr für so Diakone oder ähnliche Dinosaurier.

Depp) Was für eine neue Weltordnung?

Sepp) Bei Radio FFH haben sie es verkündet. Der „Dummschwätzer“ hast`s gesagt: „Karfreitag“ ist jetzt nach „Weiber-Fasching“ – weil Karfreitag kommt ja von „Karnevals-Freitag“

Depp) Das passt: Ich hab gehört, Ostern sei schon nächste Woche und die Fastenzeit ist abgeschafft!

Sepp) Stimmt: Der Netto hat schon Osterhasen.

Depp) Aber das is doch noch keine neue Weltordnung.

Sepp) Ne, aber die Kirch kann jetzt ganz abgeschafft werden. Wir brauchen nämlich keine Taufe mehr, dafür gibt es jetzt „Kinderwillkommensfeiern“

Depp) und anstatt `ner Beerdigung mit dem Pfr. gibt`s `nen Trauerredner

Sepp) anstatt `ner kirchlichen Trauung, gibt`s die „Wedding-Day-Hochzeits-Event-Gestalter“

Und weil der Verwaltungsrat so clever ist, hat er das alte Küsterhaus rein vorsorglich mal an eine „Freirednerin“ vermietet.

Depp) Ja, da bleibt die Kirch zumindest als Kulisse erhalten

Sepp) und ich kann mich als freier Verwalter um die Vermietung kümmern. Das schafft Arbeitplätze und ganz neue Möglichkeiten

Teil II)

So, oder so ähnlich wäre ein Büttenvortrag dieser Tage durchaus denkbar. Dahinter steckt natürlich eine ernsthafte Frage: „Wie sehen wir als Christen und Kirche, die immer häufiger anzutreffenden „Freiredner“?

Da gibt es sicherlich einige, die von „Kirchen`S“ enttäuscht sind, die sich abwenden, weil sie sich nicht verstanden oder ausgegrenzt fühlen. Sicherlich gibt es Fälle, da kann ich das verstehen.

Dennoch: Warum sind die Freiredner so beliebt, und was haben die, was wir nicht haben?

Ich denke, es ist genau umgekehrt: Wir Christen haben etwas, was die Freiredner nicht haben – nur will das nicht jeder bekommen.

Eine gute Trauerrede zu halten, mit viel Einfühlvermögen, die Lebensgeschichte des Verstorbenen auszubreiten, seine Vorzüge, Ecken und Kanten, Liebenswürdigkeiten in Erinnerung zu rufen. Die Situation der Ehegatten und Kinder wiederspiegeln: Das kann durchaus auch ein Trauerredner.

Wem das genügt: In Ordnung. Wer aber seine Hoffnung auf Christus setzt und seine eigene Vollendung in Gott sieht, der benötigt mehr als ein Leben das sich allein in dieser Welt fest macht und das mit dem Tod nun mal zu Ende ist.

Natürlich freuen sich die meisten Eltern über die Geburt ihres Kindes, heißen es willkommen, wünschen ihm alles Gute in seinem Leben. Klar wollen sie, dass gute Menschen es begleiten und,…Wenn es dabei bleibt, reicht eine Kinderwillkommensfeier. Die Taufe ist dagegen mehr: Hier legt ein Mensch oder die Eltern ihr Kind in die Hand Gottes. Hier wird eine tiefe Verbindung geschaffen zwischen Jesus Christus als dem Herrn der Welt und Geschichte, und eben diesem Kind. Hier zieht jemand Christus an wie ein Kleid oder eine zweite Haut. Das ist etwas ganz anderes.

Ja mal ganz ehrlich: Wenn Eltern ihr Kind taufen lassen ohne die letzten 15 Jahre etwas mit Gott und Kirche zu tun gehabt zu haben. Wenn diese Eltern, dem Kind weder etwas von Christus erzählen, noch mit ihm beten und auch sonst nicht diesen Glauben leben, – dann kann man aus kirchlicher Sicht nur raten, es zunächst mal mit einer Segensfeier zu probieren. Wenn es dafür auch nicht reicht – dann genügt halt eine Kinderwillkommensfeier.

Ähnliches muss ich zu einer Hochzeit sagen: Sofern das Kirchengebäude nur noch Staffage und Hintergrund für eine romantische Feier ist, hat das nicht`s mehr mit einer Trauung zu tun. Aus christlicher Sicht hat sich Gott schon längst in unverbrüchlicher Treue an uns Menschen gebunden. Er hat den Bund des Lebens spätestens vor 2000 Jahren mit der Menschheit geschlossen, und das nicht nur bis der Tod uns scheidet, sondern über den Tod hinaus. Die Hochzeit feiert diese Treue, Verbundenheit und Liebe Gottes. In ihr wird ansatzweise sichtbar und erlebbar, was Gott meint, wenn er von der „gegenseitigen, beidseitigen Übereignung und Liebe“ spricht.

Ich kann verstehen, wenn es junge Leuten Angst und Bange wird bei der Vorstellung, wirklich ein Leben lang Treue und Liebe zu wagen. Wer dieses Wagnis zunächst mal unter den Segen Gottes stellen will – Paare der Liebe können auch in der Kirche gesegnet werden. Wem das immer noch zu viel Gott ist, der sollte sich getrost an einen Wedding-Day-Hochzeits-Event-Gestalter wenden. Bei uns geht es nicht ohne Gott. Gott ist geradezu der „Mehr-Wert“ über eine schöne Feier hinaus.

Vielleicht fragt sich jetzt der ein oder andere, worin der Mehr-Wert einer Feier mit Gott liegen mag:

Die Texte des heutigen Sonntags geben die Antwort:

Paulus:

Es geht nicht um den eigenen Nutzen. Es geht nicht darum, dass die Organisation Kirche davon einen Nutzen hat: Es geht um die Rettung des Menschen aus den Bedrängnissen und Engen dieser Welt.

Die Erzählung im MK-Evangelium von der Heilung der Aussätzigen macht das deutlich:

Es geht mehr als nur um die Heilung oder Bewahrung vor einer schlimmen Krankheit. Wäre es nur das, hätte Jesus sich als der große Wunderheiler feiern lassen können. Mit seinen Tricks wäre eine Menge Geld zu machen gewesen. Er hätte tausende „Fellower auf Facebook“ erhalten und viel Ansehen. Darum geht es ihm nicht: Er zeigt und tut es tatsächlich: „Durch mich wird diese Welt geheilt. Durch mich wirst Du, mein Lieber, vollständig geheilt. Durch mich wirst Du heraus genommen aus der Situation des Ausgestoßenen, des Ausgegrenzten, den niemand haben will“.

Die Vollkommenheit des Lebens, die Fülle allen Glücks und aller Freude und allen Friedens vollzieht sich und ereignet sich in der Begegnung mit Jesus Christus. Das ist es, was wir in Taufe, in Hochzeit, in der Beerdigungsfeier und in den Sakramenten der Kirche feiern: Begegnung mit Jesus Christus, dem erfahrbaren Gesicht Gottes in dieser Welt.

Wir dürfen uns mehr alles alle anderen freuen und feiern, dass es nichts auf dieser Welt gibt, was nicht in der Herrlichkeit und Fröhlichkeit des Himmels überwunden werden kann.

Ob an Fasching oder sonst: Wenn wir das feiern und besingen und ein bisschen mit Dankbarkeit an diesen Gott denken, dann darf uns das Herz aufgehen und wir dürfen voll Inbrunst rufen:

Helau und Hosianna.

 

Ach ja:

Möglicherweise habe ich dem ein oder anderen Freiredner auf die Füße getreten. An Fasching ist das nicht ganz selten. Klar sehe ich, dass auch hier Gutes getan wird an und mit den Menschen. Möglicherweise gerade an denjenigen, die von der Kirche verletzt wurde.

Für all die die Freiredner, die in ihrer Tätigkeit denselben „Mehr-Wert Gottes“ im Auge behalten und die frohe Botschaft Gottes in einem Umfeld verkünden, das wir nicht mehr erreichen – all diesen Freiredner danke ich für ihren Dienst. Diese unkonventionellen Redner über Gott stellen die unbequeme Frage, was wir – was ich – tun kann und welche Wege der Geist Gottes uns damit zeigen will. Auch dieser Weg ist ein Weg mit Gott, nicht ohne Gott und erst recht nicht gegen Gott.

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