Nicht nur sauber, sondern rein

Genau vor 50 Jahren gab es einen legendären Werbespot im Deutschen Fernsehen, der viele Jahre in aller Munde war.

Zu sehen war Frau Johanna König mit weißer Latzhose und weißer Mütze, besser bekannt unter dem Namen „Klementine“, die Werbung machte für das Waschmittel „Ariel“.

Ihr Werbespruch hieß damals: „So wird Ihre Wäsche nicht nur sauber, sondern rein!“

Auf den ersten Blick könnten wir meinen, dass es sich hierbei um einen typischen Werbetext handelt, der aufgrund seiner Paradoxie im Gedächtnis hängen bleibt.

„Sauber“ und „rein“ sind ja irgendwie dasselbe, oder zumindest von der Bedeutung her sehr ähnlich.

Diese Begriffe nun gegeneinander zu stellen wirkt zunächst paradox. Die Strategie der Werbetexter ging auf.

Vielleicht werden wir feststellen, dass man diesem Spruch vor dem Hintergrund der Heilung des Aussätzigen doch eine ganz besondere Wendung entnehmen kann, wenn wir die Wortbedeutungen einmal genauer untersuchen.

Erlauben Sie mir eine kleine Fußnote zum Namen „Ariel“:

Zusätzlich ist sehr interessant, dass der Name Ariel durchaus der Name eines Engels im Alten Testament ist. Wir finden diesen Namen vor allem bei Jesaja.

Ohne diesen Aspekt zu sehr zu beleuchten, sollte zumindest gesagt werden, dass Ariel in der jüdischen Tradition als ein Dämonenbekämpfer angesehen wurde.

Sauberkeit und Reinheit sind im jüdisch-christlichen Glauben tief verwurzelt und theologisch eng verbunden.

Im jüdischen Zusammenhang waren vor dem Tempelbesuch Reinigungsrituale vorgesehen und das rituelle Frauenbad, die Mikwe, gehört bis heute zu jeder Synagoge.

Im christlichen Zusammenhang möchte ich die eine heilige Taufe nennen, die – mit etwas Humor – als Universalwaschgang oder auch Hauptwaschgang verstanden werden könnte.

Eine kleine rituelle Waschung stellt auch die priesterliche Handwaschung vor dem Hochgebet dar.

Den inneren Zusammenhang von „nicht nur sauber, sondern rein“, finden wir zusätzlich noch bei der Fußwaschung am Vorabend des Karfreitag:

Petrus will sich nicht die Füße sauber waschen lassen. Nachdem Jesus ihm erklärt, dass es hierbei nicht um Sauberkeit geht, sondern um das Sich-berühren-lassen-um-rein-zu-werden, versteht es Petrus zunächst immer noch nicht und möchte einen Vollwaschgang. Darauf erklärt es Jesus noch einmal.

Genau dieses spirituelle Geschehen können wir dem Evangelium von der Heilung des Aussätzigen entnehmen. Ja, diese Reinigung meint Heilung.

Rein sein meint eben nicht nur eine oberflächliche Säuberung, sondern eine porentiefe Reinheit.

Als sich einmal weder Jesus noch seine Jünger vor dem Mahl bei einem Pharisäer, zu dem sie nach Hause eingeladen waren, die Hände gewaschen hatten, kam es sogar zum Eklat. Jesus tobte über die oberflächliche Sichtweise des Pharisäers.

Das war beispielhaft.

Die Pharisäer meinten, dass es vor Gott Reinheit bedeute, wenn man alle Säuberungsrituale peinlich genau einhält. Jesus verneinte das.

Dasselbe gilt für uns: Nicht wer sagt, „Herr, Herr“, sondern wer den Willen des Vaters im Himmel tut, kommt durch die schmale Tür.

Nicht allein die Erfüllung unserer christlichen Ritualpflichten ist das letztlich Reinigende, sondern die echte Hinwendung zu Gott in Demut und Bescheidenheit.

Nicht die oberflächliche Erfüllung von Handlungen verleiht uns vor Gott die heilsame Reinheit, sondern das Sich-berühren-lassen von der Wahrheit.

Das Ablegen der eigenen Lügengebäude.

Auch das Bekenntnis der eigenen Unreinheit.

Vor allem aber die Bitte um Reinigung.

Die Berührung mit der Wahrheit zwickt jeden.

Wir alle haben unsere Unreinheiten, unseren Selbstbetrug, unsere Lebenslügen und unsere sonstigen Dämonen.

Der Engel Ariel als Dämonenbekämpfer erscheint in diesem Zusammenhang in einer erstaunlichen Stimmigkeit.

Das Reinigen der Seele ist porentiefer als das Reinigen des Körpers. Die Sauberkeit dient ganz sicher auch unserem Wohlergehen, aber das Seelenheit ist dennoch eine ganz andere Sache.

Papst Benedikt beschrieb das sehr viele Jahre vor seinem Pontifikat sehr gerne in Vorlesungen und Büchern als den Unterschied zwischen dem „Wohl“ und dem „Heil“ des Menschen.

Die Sauberkeit dient in diesem Zusammenhang unserem Wohl.

Die Reinheit unserem Heil.

In diesem Sinne dürfen wir uns freuen, dass unser Herr Jesus Christus uns berühren will und uns vergeben und reinigen will, wenn wir uns demütig, offen und ehrlich ihm zuwenden.

Das macht nicht nur sauber, sondern rein.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.