Im Kreuz ist Heil – Im Kreuz ist Leben – Im Kreuz ist Hoffnung

Im Kreuz ist Heil

im Kreuz ist Leben,

im Kreuz ist Hoffnung

 

In vielen Kirchen konnte man diesen Gebetsruf an Karfreitag hören, ohne dass es so schnell klar wird, was wohl damit gemeint sein mag.

Die erste Antwort:

Das Kreuz ist das Zeichen der Christen und die Christen beanspruchen Heil, Leben und Hoffnung für sich zu haben. Doch was ist dann mit den anderen? Wollen die Christen mit ihrem Kreuz nicht nur provozieren?

Die zweite Antwort:

Jesus ist für uns gestorben und deshalb gehört denjenigen, die das glauben, das Paradies. Doch wer hat von ihm verlangt, dass er stirbt, für uns? Ich denke nicht, dass ich so was Schlimmes getan habe, dass darauf die Todesstrafe steht. Wer fordert die Todesstrafe und wer verhängt sie?

Beide Antworten sind nicht unbedingt falsch. Man könnte sie lang und breit vertiefen und viel Gutes und Richtiges zu Tage fördern. Mir persönlich sind an in der Karwoche dazu ein paar andere Gedanken gekommen.

Was ist an diesem Kreuz Heiles? Das Kreuz zeigt gar nichts Heiles. Es zeigt einen zu Tode gequälten Menschen, der gedemütigt, verspottet und einsam von allen Freunden verlassen wurde. Da ist nichts Heiles. Das Kreuz zeigt auch keine große Hoffnung: Wer daran hängt, stirbt. Langsam qualvoll, schmerzhaft. Demnach gibt es in diesem Kreuz auch kein Leben, sondern das Gegenteil: Den Tod. Also müsste es eigentlich heißen:

Am Kreuz gibt es Qual und Schmerz – Wer dort hängt braucht sich keine Hoffnung mehr zu machen – Das Kreuz bringt den Tod.

Ist es etwas Besonderes, dass da ein Mann hängt, der unschuldig verurteilt wurde und unschuldig hingerichtet wurde? Das römische Reich hat da wenig Federlesen gemacht. Tausende sind unschuldig verurteilt worden. Die ganze Menschheitsgeschichte hindurch sind Menschen unschuldig ermordet, hingerichtet und verurteilt worden. Das ist heute nicht anders als damals.

Es ist auch nicht nur das Kreuz, das so ist. Wie viele gute und liebe Menschen werden von unsäglichen Schmerzen gequält, weil der Krebs sie zerfrisst. Sie haben keine Hoffnung mehr auf Besserung, weil die Ärzte sie aufgegeben haben. Sie sehen ihrem Tod ins Auge, den sie so lange verdrängt haben und der nie Bestandteil ihres Lebens war.

Im Kreuz ist Heil – Im Kreuz ist Leben – Im Kreuz ist Hoffnung

Ein irrwitziger Satz? Vielleicht würde man besser sagen: Durch das Kreuz hindurch gibt es noch Heil, Leben und Hoffnung. Hinter dem Kreuz und im Kreuz meines Lebens, ist dieses Leben nicht heillos. Unser Leben hat seine Schönheit  und Lebenswürdigkeit. Unser Leben ist aber kein Paradies. Dieses Leben ist nun mal vergänglich und endlich. Unser Leben ist zerbrechlich, wie unsere Gesellschaft, unsere Familien und Lebensformen zerbrechlich sind. Es kann ganz schnell gehen, und dann ist nichts mehr so wie es war. Den Schmerz und die Qual können wir nicht vorhersehen, nicht bestimmen und oft nicht ausweichen, ja manchmal nicht ertragen. Der christliche Glaube sagt, dass trotz und durch diese Qual hindurch letztlich das Heil, das Leben und die Hoffnung kommt. Oder besser, dass all diese Dinge nicht das letzte Worte haben, sondern hinter ihnen tatsächlich Heil und Leben liegt.

Es ist nichts umsonst, weil Gott selbst sich in Christus diesem Leben – und all seinen Kreuzen – ausgesetzt hat. In den Kreuzen, die uns treffen, liegt nicht die endgültige Vernichtung, weil dieser Gott selbst in Christus und durch Christus auch mein Leid aufnimmt, annimmt und fähig ist, es zu verwandeln in Leben und Auferstehung: in endgültiges Heil-Sein in Gott. Das ist die Hoffnung und die Zusage. Jesus Christus zerbricht gerade im Tod unsere Kreuze. Er sprengt und zerstört die Macht der Aussichtslosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Er rollt die Steine beiseite, die uns einschließen in der Existenz dieser Welt. In Christus wird unser Schmerz, unser Leid – ja auch unsere Schuld und Sünde – vor Gott getragen, geheilt und in ein neues Lebensgefüge der Gemeinschaft, der Liebe und des Friedens gestellt. Das ist Durchgang – Pascha – das ist Auferstehung, das ist Freude, Licht und pure Schönheit.  Das ist Leben in unermesslicher Vollkommenheit und Zeitlosigkeit. Ein neues Leben eben im Durchgang durch dieses Leben.

Herr, wenn ich sterbe, wenn ich leide, dann lass es mich mit Dir an meiner Seite tun.

Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.

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