Ein Plädoyer für die Wort-Gottes-Feier mit Kommunionempfang an Sonn- und Feiertagen

Die Pfarrgemeinden und Pfarrgruppen werden immer größer bei gleichzeitig sinkender Anzahl der Priester. Es ist bereits jetzt nicht mehr möglich in jeder Pfarrgemeinde vor Ort den Sonntagsgottesdienst zu gewährleisten. Eine Möglichkeit ist die Schaffung zentraler Gottesdienstgelegenheiten, zu denen die Gläubigen dann anreisen oder mit Bussen gebracht werden. Dies hat unweigerlich zur Folge, dass das christliche Leben in den konkreten Ortsgemeinden schrumpft und zum Erliegen kommt. Somit besteht Einigkeit, dass andere Formen des christlichen Lebens und Glaubensausübung vor Ort in den Gemeinden gefördert werden müssten. Eine Möglichkeit ist die Wort-Gottes-Feier am Sonntag mit Empfang der Kommunion. Die Wort-Gottes-Feier ist im II.Vat. SC 35,4 verankert als eigenständige liturgische Gottesdienstform, welche sich von den übrigen Wort-Gottesdiensten unterscheidet (Bistum Mainz, Pastorale Richtlinien Nr. 13). Die Leitung der Wort-Gottes-Feier ist dem Diakon, oder einem vom Bischof explizit beauftragten Leiter, übertragen. Damit wird sie gegenüber anderen Gottesdienstformen hervor gehoben und bleibt gleichzeitig hinter der Eucharistiefeier zurück.

Gegen die Wort-Gottes-Feier mit Kommunionempfang werden im Wesentlichen folgende Gründe vorgetragen:

  • Die Herauslösung der Kommunion aus der Eucharistiefeier entspricht nicht dem Grundkonzept der Eucharistiefeier, da der Kommunionempfang eingebettet ist in das gesamte Geschehen der Eucharistiefeier mit Gabenbereitung – Präfation – Hochgebet – Epiklese – Anamnese – Doxologie – und eben den Empfang der Kommunion mit Dankgebet (Vat. II SC 55)
  • Es kommt zu einer Vermischung von liturgischen Formen, bei denen die Gefahr besteht, dass die Gläubigen den Unterschied zwischen Wort-Gottes-Feier und Eucharistie nicht mehr erkennen.
  • Die Wort-Gottes-Feier hat einen eigenständigen Wert, der den Kommunionempfang nicht voraussetzt.

Diese Argumente sind gewichtig und richtig. Sie können nicht so einfach beiseite geschoben werden, und dennoch bin ich davon überzeugt, dass die Wort-Gottes-Feier mit Kommunionempfang einen so hohen Wert hat, dass ihre Berechtigung vertretbar ist. Es geht gerade nicht darum, eine liturgische Konkurrenzform aufzubauen, bei der der Dienst des Priesters überflüssig wird. Es geht darum, in den Gemeinden vor Ort einen Glaubensvollzug aufrecht zu erhalten, der die Glaubensgemeinschaft stärkt, von der Gemeinde mitgetragen wird und die Einheit in Christus und unter den christlichen Gemeinden zum Ausdruck bringt und schafft. Die Kommunion ist aber geradezu das Sakrament der Einheit mit Christus und der Einheit unter den Christen (Benedict XVI, deus caritas est, Nr. 13,14)

Werdet, was ihr empfangt, empfangt, was ihr seid: Leib Christi.“ (Augustinus)  Im Empfang des Leibes und Blutes Christi vollzieht sich die Gemeinschaft und Einheit, die von ChrImistus her geschaffen wird. Nehmt und esst – nehmt und trinkt: In dem gläubigen Tun des Essens und Trinkens geschieht und vollzieht sich die Annahme dieser realen Wirklichkeit außerhalb der immanenten Erfahrungswelt.

Es wird in den Gebeten zur Kommunionüberleitung explizit auf die Gemeinschaft mit den Eucharistiefeiern in den Nachbargemeinden und der vorangegangenen Eucharistiefeier am Ort verwiesen.

Das eucharistische Brot…verbindet uns mit der Eucharistiefeier, die wir am vergangenen Sonntag hier zuletzt gefeiert haben./ …verbindet uns mit den Eucharistiefeiern, die heute in den Nachbargemeinden gefeiert werden.“ (Wort-Gottes-Feier, Werkbuch für Sonn- und Festtage, Trier 2004)

Es wird deutlich gemacht, dass die Wort-Gottes-Feier mit Kommunionempfang den Mangel der gesamten Eucharistiefeier aufweist und ohne eine Eucharistiefeier die Wort-Gottes-Feier mit Kommunion überhaupt nicht möglich wäre.

Eine Vermischung und Verwechslung der Gottesdienstformen ist aus meiner Erfahrung heraus ausgeschlossen. Einerseits sind die Abläufe in der Wort-Gottes-Feier nicht deckungsgleich mit denen der Eucharistiefeier, Gesänge und Gebete, die der Eucharistiefeier zugehören (Gloria, Sanktus, Agnus Dei) werden vermieden. Andererseits nehmen die Gläubigen als Stammgemeinde regelmäßig an der Eucharistiefeier teil und sehen die Wort-Gottes-Feier sehr genau als eine Ersatzform, die nicht der Vollform der Eucharistie entspricht.

Es ist richtig, dass die Wort-Gottes-Feier nicht unbedingt den Kommunionempfang einschließen muss und einen eigenständigen Wert hat, da die Gegenwart Christi sich bereits im Hören auf das Wort Gottes und der Gemeinschaft des versammelten Volkes Gottes vollzieht (SC 7). Dennoch gehört für die meisten Gläubigen zum sonntäglichen Gottesdienst die Begegnung mit dem Herrn in Gestalt der hl. Kommunion dazu. Auch wenn es sich hier nicht um die Vollform der Eucharistie handelt (Johannes Paul II, eccleisa de eucharistia, Nr. 32), kommt ein wesentlicher Aspekt zum Tragen.

Das ist mein Leib – das ist mein Blut“. Im Blut ist nach hebräischer Sicht der Sitz des Lebens. Wenn Christus uns also sein Blut gibt, so gibt er uns Anteil an seinem göttlichen Leben. Durch ihn haben wir Anteil an seiner Göttlichkeit, an seinem vollkommenen Leben in und mit Gott. Durch ihn – sein Lebensblut – schenkt er uns sein Leben.

Sein Leib ist seine Existenzweise, die existierende Substanz und materiellle Realität. Die materielle Existenzweise des vollendeten und präexistenten Christus. Wenn Christus uns sein Fleisch/seinen Leib gibt, so schenkt er uns Anteil an der Art der realen Existenz seiner selbst, die sich in der Verklärung am Berg, in der Himmelfahrt und in den Erscheinungsformen des Auferstandenen ansatzweise gezeigt hat. Eine körperliche Realität, die völlig anders ist als unsere reale Existenzweise (vgl. 1 Kor 15, 35ff). Da wir in dem Brot, dem Leib Christi, diesem selbst mit seiner vollen Hingabe an uns begegnen, wird uns dieses Brot zum Brot des Lebens in Gott.

Auch wenn so nicht dem gesamten Geheimnis der Eucharistie in vollem Umfang Rechnung getragen wird, vollzieht sich im sakramentalen Empfang der Kommunion das, was Sinn jeder Liturgie ist: Heilstat Gottes an uns verbunden mit der Verherrlichung Gottes in Dank und Lobpreis an diesen Gott der Liebe und Hingabe (Vat.II SC 10).

Für mich und für viele Gläubige ist dieser Aspekt derart wichtig und entscheidend, dass er in einer Wort-Gottes-Feier am Sonntag nicht fehlen sollte.

Die Trennung von Kommunionempfang und eucharistischem Gottesdienst ist im Übrigen nichts Neues. Bis zum II. Vat. Konzil erfolgte der Kommunionempfang für das Volk meist außerhalb der bereits vollzogenen Liturgie. Heute noch kennen wir die Trennung bei der Krankenkommunion und in der Karfreitagsliturgie. Das Werkbuch zur Wort-Gottes-Feier für Sonn- und Feiertage enthält extra Texte für die Wort-Gottes-Feier mit Kommunion. Nur am Rande sei erwähnt, dass diese Texte von keinem anderen als Kardinal Meisner als Vorsitzenden der Liturgiekommission abgesegnet wurden.

Johannes Paul II schreibt in „pastores gregis“ Nr. 37:

In Ermangelung der heiligen Messe wird der Bischof der Gemeinde, die gleichwohl immer in Erwartung der Fülle der Begegnung mit Christus in der Feier des Ostergeheimnisses verweilt, zumindest an den Sonn- und Festtagen die Teilnahme an einer Feier besonderer Art ermöglichen. In diesem Fall werden die Gläubigen bei sonntäglichen Gottesdiensten, wie sie in Abwesenheit eines Priesters unter dem Vorsitz verantwortlicher Leiter vorgesehen sind, die Gabe der Wortverkündigung und der heiligen Kommunion empfangen können

Aus meiner Sicht wird sich die die Frage an dem Punkt entscheiden, ob die Einbettung des Kommunionempfangs in die Gesamtheit der Eucharistiefeier der Vorzug zu geben ist gegenüber dem, was wir im Empfang des Sakramentes feiern: Begegnung mit dem auferstandenen Christus – Einheit mit Christus und dem Volk Gottes – Geschenk des Lebens in Gott durch und mit der Gegenwart Christi.

 

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