Christen feiern – was denn eigentlich ?

„Christen feiern“ – Ja, was haben Christen zu feiern?

Christen haben keinen irgendwie gesicherten Sonderstatus. Sie haben die letzte Woche genauso unter der Hitze gestöhnt wie jeder andere. Die Äcker und Weinberge bekamen gleich wenig Wasser, egal wie oft und in welche Kirche die Eigentümer gehen.  Ihre Häuser sind nicht mit einer Art „Feuerabwehrsystem“ versehen, sondern können ganauso in Brand geraten, wie alle anderen auch. Sie sterben wie die übrigen an Krebs, werden dement und haben per se keinen höheren Morallevel.

Haben Christen überhaupt noch irgend etwas zu feiern? Möglicherweise feiern sie, dass dieses Jahr ein paar weniger aus der Kirche ausgetreten sind, als letztes Jahr. Oder sie freuen sich darüber, dass überhaupt noch ein paar Eltern ihre Kinder taufen lassen?

Christen verschiedner Konfessionen feiern immer öfter zusammen! Wenn man zusammen feiert, muss es etwas geben, das verbindet. Etwas essentiell Wichtiges, das sie gemeinsam haben. Beim Fußball ist es der Ball. Bei der Feuerwehr die gemeinsame Aufgabe. Sie verbindet das Motto: Retten – Löschen – Bergen – Schützen.  Was verbindet die Christen?

So sehr es schmerzen mag: Bei Lichte besehen unterscheidet die Christen aus weltlicher Sicht nicht so arg viel von irgend jemand anderem. Was sie ausmacht ist eine Hoffnung, – nein: eine Gewissheit, die über das hinaus geht, was die Welt so zu bieten hat. Die Apostel und Jünger Jesu werden in ihrer Botschaft nach Pfingsten nicht müde, eine Kernaussage zu betonen, die wir uns wieder mehr zu eigen machen sollten:

Jesus Christus ist der Herrscher, der zur Rechten Gottes sitzt. Der Heilige und Gerechte. Er hat das Leid, die Not und Tod überwunden. Er ist der Sieger über alles Menschenfeindliche, aller Gottferne und aller Lebensfeindlichkeit.

Jesus Christus hat uns gerettet – erlöst – herausgerissen – befreit.

In der Bindung an ihn, in der glaubenden und gelebten Beziehung zu ihm und mit ihm, vollzieht sich eine Rettung, aus aller Todesverfallenheit und allem Untergang dem wir alle ausgesetzt sind.

Dieser Tage habe ich vom Schicksal meines vormaligen Vorgesetzten erfahren, der vor langer Zeit schon aus dem aktiven Dienst bei bester Gesundheit ausgeschieden ist. Familie, Haus und Garten, Freunde, Sport und Aktivität hat er gelebt. Jetzt hat ihn eine schwere Demenz getroffen, das Geld ist weg, das Haus wird verkauft, die Freunde erkennt er nicht mehr. Der Tod wartet auf ihn – manch einer wünscht: Hoffentlich bald. Man könnte meinen, er habe alles verloren, was er im Leben hatte, was ihm wichtig war, was ihm Freude machte und für ihn von Bedeutung war. Wahrscheinlich wird es mir so oder so ähnlich auch mal ergehen.

Im Psalm 18 lobt Israel seinen Gott:

Denn er, der Herr der Heerscharen, griff aus der Höhe herab und fasste mich, er zog mich heraus aus gewaltigen Wassern.   Er entriss mich meinen mächtigen Feinden, die stärker waren als ich und mich hassten.

Er packt mich, zieht mich heraus aus Morast, Schlamm, Dreck und allem, was mich ersticken und ertränken will. Er reißt mich heraus aus dem, was mir die Luft zum Atmen nimmt und nach meinem Leben greift.

Genau das sagt die Botschaft von der Auferstehung Jesu: Wie Jesus Christus nicht dem Leid, dem Tod und der Endlichkeit des Lebens ausgewichen ist, so können auch wir diesen Dingen nicht entkommen. Aber in der Bindung an Christus, mit Christus vollzieht sich die Rettung aus der Einbahnstraße des Lebens.

Im Glauben an ihn sind wir bereits jetzt die Geretteten. Wo wir uns in seine Arme werfen und uns ihm anvertrauen, bleibt dieses Leben ein Durchgang zu dem eigentlichen Ziel unseres Leben: Das vollkommene und vollständige Heil in Gott.

Jesus Christus hat uns erlöst. Er löst uns heraus aus einer Situation der Enge und Angst.

Er löst uns heraus aus der Beziehungslosigkeit zu Gott. Ja, Gott ist nicht so da, als könne man ihn an der Schnur vorführen. Er ist nicht so, dass wir überhaupt vollständig und richtig über ihn reden könnten. Wir leben in einer Distanz und Unnahbarkeit und Unfassbarkeit zu diesem Gott, ohne den nichts ist, was ist. Diese Ferne zu Gott wurde in Jesus Christus zu unmittelbarer Nähe gewandelt. In Jesus Christus treffen sich Mensch und Gott. Gott und Mensch sind verbunden in dem einen göttlichen Geist. In Christus und mit Christus sind wir herausgelöst aus der Beziehungslosigkeit zu Gott und hineingenommen in die Liebe Gottes des Vaters zum Sohn.

Er erlöst uns aus der Beziehungsarmut zu unseren Mitmenschen, die wir nur zu oft als Konkurrent, Bedrohung empfinden und die uns oft innerlich so fern sind, weil ihr Verhalten und Tun uns fremd vorkommt. Komisch nur, dass es denen mit mir genauso geht.

Jesus Christus befreit uns aus den vielfältigsten Verstrickungen, die uns einengen und fesseln. Was würden wir nicht gerne alles tun – und können es doch nicht. Wie gerne würden wir uns  anders verhalten, und schaffen es doch nicht. Wir sind unendlich vielen Zwängen ausgesetzt, aus denen wir nicht heraus kommen. Ich kann meinen Körper nicht athletischer machen. Ich kann meinen IQ nicht einfach erhöhen. Ich stehe in einer bestimmten Gesellschaft und Umgebung, die mich prägt, die mir Möglichkeiten eröffnet und mir Grenzen aufzeigt. Diese äußeren Bedingen kann ich nur schwer ändern.

Jesus will uns befreien aus der

Abhängigkeit von Anerkennung und Akzeptanz durch andere,

der eigenen Unfähigkeiten

dem Streit und der Unzufriedenheit

dem Hass und der Angst um uns selbst

Letztlich will er uns erlösen und befreien aus der Macht des Bösen und Zerstörerischen, die es einfach und tatsächlich in dieser Welt gibt. Dieser Macht sind wir ausgesetzt und deren Handlanger werden wir zu oft. Die Verneinung dessen macht es nicht besser.

All diese Dinge sind und bleiben Bestandteil meines Lebens. Ich darf aber darauf vertrauen, dass sie abgestreift und abgewischt werden im Angesicht des Herrn, dem gegenüber sie keine Macht und Bedeutung haben. Ja, es gelingt schon jetzt immer wieder mal und vielleicht sogar immer mehr. Die vollständige Befreiung und Erlösung davon habe ich als Pfandbrief in der Gnade Gottes in der Hand, der mir zugesagt hat: „Mein Kind bist du“.

Jesus Christus löscht unseren Durst nach Leben. In ihm ist uns ein Leben in Fülle, ohne Angst, ohne Einschränkung, ohne Not und ohne Unheil zugesagt.

In ihm, mit ihm und durch ihn sind wir geborgen in Gott. Wir leben unter seinem Schutz. Einem Schutz, den nichts Böses oder Bedrohliches überwinden kann.

Für viele mag das alles ein riesiger Unsinn sein. Eine Vertröstung auf Jenseits ohne Realitätsbezug; Verdummung der geistig Beschränkten. Eine psychologische Krücke für die Labilen, die sonst nicht mit der Realität zurecht kommen.  Nichts anderes musste sich Paulus vom römischen Statthalter Festus anhören:

Paulus, du bist von Sinnen! Das viele Studieren bringt dich um den Verstand!  (Apg. 26, 24)

Dass Paulus nicht verrückt geworden ist, sondern eine Wahrheit sagt, die über der Erkenntnisfähigkeit der weltlichen Möglichkeiten liegt, kann nur erkannt werden im hl. Geist. Im Geist Gottes, der diese Dimension aufschließt und erschließt. Es ist der Geist der Gnade, den man nicht erzwingen kann, nur erbitten. Der gleichzeitig dem Bittenden und ehrlich Suchenden zugesagt ist.

Darauf sagte Jesu zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Sohn des Johannes: denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel!“ Mt. 16, 17

Wenn wir uns all das vor Augen führen, dann haben wir heute bereits Grund zum Feiern. Wir sind zur Freiheit der Kinder Gottes in Gottes Herrlichkeit berufen. Aus dieser Befreiung heraus, können wir mit den Dingen in der Welt und mit uns anders umgehen. Ja wir dürfen die Welt und uns selbst im Geist der von Christus Befreiten umgestalten und neu gestalten, ohne dass an dieser Welt oder an uns zu scheitern.

Wie war noch mal das Motto der Feuerwehr?

Retten – Löschen – Bergen – Schützen. Gar nicht so schlecht:

Christus, der mich rettet,

der meinen Durst nach Leben löscht,

in dem ich geborgen bin

der mein Schutz ist. – Selbst wenn die Welt in Flammen steht.