Auf und werde Licht

 

In jeder Kirche und vielen Häusern finden sich Tannenbäume mit Lichterketten an den Zweigen. Lichterkerzen sind an Hauswänden und über Straßen zu sehen. Bunt – Hell – Schön – Warm, gerade am Abend und in der Dunkelheit.

Ich stelle mir dann vor, jedes dieser Lichter sei ein Mensch, zu dem das Wort Jes. vorgedrungen ist: „Auf und werde Licht“

Eine schöne Vorstellung: Wir sollen Licht werden, das leuchtet. In der Welt gibt es genug Dunkelheit, Streit, Vorurteile, Missverständnisse. Es gibt sehr viel Angst um die Sicherheit und Zukunft. Es gibt genug zerbrochene Beziehungen und Kinder, die hin- und her gerissen sind. Es gibt Not in unterschiedlichen Facetten. Krankheiten, Schmerzen, den Tod. Es gibt auch die Dunkelheit der Gleichgültigkeit – Hauptsache mir geht es gut!

Es gibt den narzistischen Irrwitz eines Herrn Manfred Bruer (vorgestellt in der Wormser Zeitung), der nichts davon hält, dass man in einer konstanten Beziehung lebt, sondern der sich lieber mehrere Frauen regelrecht kauft, indem er ihnen Häuser, Luxus und großzügiges Auskommen verspricht. Dafür sind die dann für ihn da, je noch ihrer Eigenart und seinen Bedürfnissen. Eine junge, schlanke, sexy Thailänderin fürs Bett. Eine gebildete und charmante aber leider zu mollige für`s angenehme Gespräch. „Gemeinsam Leben – nein Danke! Das zerstört die Lust.“ Kinder sind sein Lieblingsprojekt, weil er sich in ihnen vermehren will, aber leider noch keinem der Kinder die Windeln gewechselt oder sonst deren Sorgen geteilt hat.

Werde Du ein Licht, das die Dunkelheit durchbricht“– sagt Jesaja – Ein Licht werden auf dem Ast des Baumes, auf dem ich gerade sitze. An der Hauswand, hinter der Du wohnst. Dort, wo du bist und so, wie du kannst.

Werde Licht mit einem guten Wort, einem Lächeln, einer helfenden Hand. Entfache ein ganzes Feuerwerk am Himmel, wann immer Du jemanden von Herzen verzeihst und vergibst. Dein Licht kann anderen den Lebensweg erleuchten, wo Du Vorbild bist, die Wahrheit verkündest und selbst treu und gerade lebst. Ja, werde zu einem Licht des Glaubens an die Herrlichkeit und Liebe Gottes gegen alle Dunkelheit der Gottesferne.

Wo immer das gelingt – und sei es nur ein kleines 12V – Birnchen – da erstrahlt die Herrlichkeit Gottes über dir.

Ich habe mal eine solche Kerze mitgebracht. Fällt ihnen da was auf? – Sie brennt nicht, obwohl sie nicht kaputt ist. Ohne Strom geht bei der schönsten Lichterkette nichts. Wenn wir zu Lichterkerzen werden sollen, leuchten wir nur, wenn wir an den Stromkreis Gottes angeschlossen sind. Wir leuchten je heller, desto mehr der Geist Gottes durch uns fließt. Selbst die Kerzen, die meinen aus sich heraus zu glühen, beziehen ihre Strahlkraft aus diesem Lebensstrom Gottes.

Es geht aber nicht nur um eine einzelne Kerze, sondern um die Anordnung und Zusammenstellung ganzer Lichtercreationen, wie bei einem Tannenbaum, auf dem auch nicht nur 1 Kerze brennt.

Eine Lichtkomposition entsteht z.B in der Familie. Jeder mit einer eigenen Farbe und einem eigenen Platz. Dass eine ganze Familie zum Licht wird, hört sich romantisch an – ist aber doch wohl eher kitschig. Vielleicht schon – im Endeffekt aber eher nicht. Richtig ist, dass Familie ganz schön viel Arbeit ist. Eltern erziehen ihr Kinder – und genauso erziehen Kinder ihre Eltern. Die Eigenarten und unausstehlichen Angewohnheiten untereinander wollen ertragen sein, vielleicht sogar lieb gewonnen werden. Alle Schwächen und Fehler kommen irgendwann heraus.

Es gilt zusammen zu halten, die Ängste und Niederlagen gemeinsam zu tragen. Sich miteinander freuen und das Schöne aneinander nicht aus den Augen zu verlieren. Es gibt den Spagat zwischen eigenem Freiraum und Gemeinsamkeit. Der Vater sorgt sich um die Kinder, die Mutter leidet mit jeder Krankheit der Kleinen mit. Die Kinder schauen auf zu den Eltern, – und würden sie am liebsten auf den Mond schießen. Man redet zusammen und schweigt manchmal zu oft. Man sagt und tut Dinge, die den Ehepartner, die Kinder, Geschwister oder Eltern verletzen, und ist aufgerufen Versöhnung zu stiften, zu verzeihen, von Neuem zu beginnen. Die Kinder gehen eigene Wege, und die Liebe will sie nicht los lassen. Wirkliche Liebe in Hingabe und Leidenschaft braucht Ausdauer und Kraft und Treue.

Es geht um die ganze Person, alles was einen ausmacht ist gefordert. Es geht um Alles! Und deshalb ist das Glück so groß

und die Enttäuschung so tief. Wo man sich innerlich weit öffnet, da schmerzen Verletzungen am meisten.

Ich meine, dass gerade dieses Miteinander – Gegeneinander – Zusammen und Allen, das Geben und das Empfangen Familie aus macht und Familie zum Strahlen bringt. Auch wenn man das in der einzelnen Situation so nicht immer wahr nimmt. Vielmehr vielleicht in der Rückschau.

Johannes Röser hat in einem Aufsatz über das Glück es so ausgedrückt:

Was für ein Glück, dass ich geboren wurde, dass ich Vater und Mutter hatte, die sich und mich nicht im Stich ließen, sondern, die sich in Treue und Aufopferung, ohne Jagd nach der Selbstverwirklichung, um die Familie sorgten. Was für ein Glück, dass Geschwister das Leben bunt machen, aufregend, chaotisch und liebevoll. Was für ein Glück dass ich einen Partner/in fürs Leben erhielt, dass uns eigene Kinder geschenkt wurden, oder dass wir auch ohne Kinder eine Aufgabe und Erfüllung haben in den Pflichten des Alltags“

Dort wo das Glück Familie gelingt: Ist es unsere Leistung?

Dort wo es scheitert: Ist es unsere Schuld?

Ganz sicher sind wir in beiden, aber nicht allein und nicht nur. Das eine ist Geschenk – das andere ist Verstrickung in die Unzulänglichkeit, in das Dunke, das uns immer noch umgibt.

Ich habe dieses Ikonenbild aus Rom mit gebracht. Es zeigt Jesus Christus als Kind zwischen Maria und Josef. Für mich heißt das, dass Christus in all diese Familien eingetreten ist. Er ist mitten drin. Von ihm geht der Stromfluss des guten Geistes Gottes aus, der all das am Leben erhält, ins Leben ruft, der Liebe Platz schafft und Verzeihung den Weg bahnt. Er ist mitten in Familie, erkannt oder unerkannt. Ja, es ergibt sich aus umgekehrter Sicht eine noch tiefere Dimension: Gott vertraut sich der Fürsorge, Hingabe und Liebe zweier Menschen an. Er gibt sich in die Hand von Maria und Josef, weil er deren Liebe vertraut.

Wo Eltern sich Sorgen um ihren Sohn oder Tochter machen, weil sie nicht wissen, was sie gerade machen und wo sie sich rum treiben – Da spiegelt sich die Sorge von Josef und Maria um den scheinbar verlorenen Jesus wieder, den sie 3 Tage gesucht haben. Eine Ewigkeit der Angst und Sorge!

Mit Jesus geben  Tochter und Sohn dann zur Antwort: „Warum sorgt ihr euch denn. Wisst ihr denn nicht, dass ich nie aus der Hand Gottes fallen kann!

Wo Kinder ausziehen und ihre eigenen Wege gehen – Da gehen wir mit Maria ihnen hinterher und können zumeist nur zuschauen.

Wo Beziehungen zerbrechen oder der Tod die Familie zerreißt, da ist es Jesus, der diesen Schmerz auf sich nimmt, Maria – der ein Schwert durch`s Herz geht. Und es ist Christus, der die Auferstehung verkündet und schafft.

Jesus ist mittendrin in Familie und heiligt sie und trägt sie, gerade dort, wo sie defizitär, unvollständig, verwundet und fragil ist.

Jesus Christus ist noch dort, wo wir nichts mehr ausrichten können. Er bleibt selbst im Scheitern und trägt mit an der Last des Scheiterns. Wenn wir an uns und unseren Lieben verzweifeln, vertraut er uns weiter und gibt sich in unsere Liebe hinein.

Christus erschließt uns die Kraft- und Energiequelle, die uns als Einzelne und als Familie leuchten lässt, wo wir es noch nicht mal erahnen. Familie in diesem Sinne, ist etwas ganz Wunderbares und Geschenk des Lebens aus Gott. Solch eine Familie ist etwas ganz anderes, als die „Projekt-Beziehungen“ des Herrn Bruer.

Als einzelne Person und als Familie ruft uns Jesaja zu:

Auf – werdet Licht – und die Herrlichkeit des Herrn erstrahlt über euch.

Denn das wahre Licht kam in die Welt, und die Finsternis hat es nicht erfasst.