Unser Glaube ist Wirklichkeit

Der Evangelist Lukas (Lk 3, 1-6) beschreibt das Auftreten des Täufers Johannes in einer Art und Weise, welche in den Evangelien nicht so oft zu finden ist.

Was ist das Besondere an diesem kurzen Text?

Der Evangelist nennt hier ganz konkrete historische Daten. Er terminiert sehr genau die Tätigkeit des Johannes.

Sicher nennt er nicht das Tagesdatum und den Wochentag, aber er benennt sehr deutlich das konkrete geschichtliche Umfeld dieser Tage.

Und er stellt einen deutlichen Bezug her zur Prophetie des Jesaja, der „die Stimme in der Wüste“ sehr viel früher vorhergesagt hatte.

Was ist die besondere Aussage dieser Zusammenhänge?

Diese Zusammenhänge haben in der Tat eine besonders wichtige Wirklichkeit auszusagen:

Die Tätigkeit des Täufers und damit die Wirklichkeit des lebendigen Wortes Gottes, Jesus Christus, ist keine weltfremde Sache, keine religiöse Idee, keine spirituelle Erbauungsgeschichte, kein gefühlsduseliges Luftschloss einer religiösen Gemeinschaft.

Nein.

Der Täufer, dieser Jesus von Nazareth, dieser Pilatus, dieser Kajaphas sind ganz reale Menschen, so wie Du und ich. Die Geschichten sind nicht erfunden, sondern wahre Geschichte.

Und das hat nicht nur etwas zu sagen für unsere Glaubensfestigkeit, in dem Sinne, dass wir uns auf etwas historisch Richtiges beziehen.

Es hat auch etwas dazu zu sagen, wie unser Glaube sich vollziehen soll, in dem Sinne, dass auch wir in unserer historischen Wirklichkeit einen konkreten Auftrag haben.

Es ist nicht egal, ob wir unsern Glauben leben.

Es ist nicht ohne Folgen, ob ich mit meinen Kindern oder Enkeln bete.

Es ist nicht entbehrlich, mit anderen Menschen über meinen Glauben zu sprechen.

Es ist nicht einfach so wiederholbar, wenn ich in eine konkrete Situation geführt werde, in der ich jemanden retten oder jemandem helfen soll.

Es ist nicht egal, wie viele Chancen ich verpasse, zu lieben und zu helfen.

„Das, was ihr den geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, habt ihr mir getan.“

Unser Glaube muss genauso historisch, genauso real, genauso sichtbar und spürbar sein, wie der Täufer, der Erlöser und deren Taten es waren.

Gerade in der Zeit des Advent, in der wir uns auf die reale, die handfeste Begegnung mit unserem Herrn und Erlösers vorbereiten, sollte uns Wegweisung sein, dass Jesus uns die Mahnung gab: „Nicht wer sagt Herr, Herr, sondern wer den Willen meines Vaters tut, wird Anteil am Himmelreich haben.“

Oder auch zur Erinnerung die treffenden Worte des Heiligen Franziskus von Assisi: „Verkündige das Evangelium. Wenn nötig, nimm Worte dazu.“

Als Impuls für unsere adventliche Vorbereitung auf Weihnachten sollten wir uns fragen: Bin ich Christin/Christ in dieser Zeit? Und woran merkt man, spürt man das konkret?

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