Darstellung des Herrn

Mindestens seit dem Beginn des 5. Jahrhunderts feiert die Kirche den Moment, in dem der Messias als noch sehr kleines Kind das erste Mal in „seinem“ Tempel erscheint. Dieses Fest begehen wir am 2. Februar jeden Jahres. Hier begegnen sich der alte Bund (des Volkes Israel mit Gott) in den Personen des betagten Tempeldieners Simeon und der ebenfalls betagten Tempeldienerin Hanna und der neue Bund in der Person Jesu.

Es ist ein „Fest der Begegnung“, für Simeon, der in dem Kind sofort den Messias erkennt, sogar ein Fest der Erlösung, ein Fest der tiefsten inneren Beruhigung: „Nun kann ich in Frieden sterben, denn meine Augen haben das Heil gesehen.“

– Meine Augen? Wie ist das gemeint? Kann/Konnte man diesem Kind wirklich sein inneres Wesen „ansehen“? Das wird schwierig darstellbar sein. Viel wichtiger sind auch in diesem Moment wohl die „inneren Augen“, wie sie in dem Buch „Der kleine Prinz“ so schön formuliert sind: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ – Seit wann kann man mit dem Herzen sehen?

Nun, es geht in diesen spirituellen Zusammenhängen wohl eher um ein inneres Verstehen, ein tiefes Erkennen oder – Wissen. Dieses Wissen ist anders als ein wissenschaftliches Wissen. Damit ist eine tiefe innere Sicherheit gemeint, das Wesen einer Sache oder eines Menschen – „das Gemeinte“ – verstanden zu haben. Dieses Vertrauen auf eine Erkenntnis nennen wir auch „Glaube“. Es geht hierbei nicht um Vermutungen, sondern um eine tiefe innere Wirklichkeit, die Wahrheit.

So erkennen Simeon und Hanna das wahre, tiefe, göttliche Wesen Jesu: Er ist der ersehnte Erlöser, der Messias! – Auch wenn es nicht in großen Buchstaben auf dem kleinen Kind geschrieben stand. Gleichzeitig mit der großen Freude prophezeiht Simeon Maria bereits das bittere Ende der Erdenzeit Jesu: „Dir aber wird ein Schwert durch das Herz dringen.“

Diese beiden Aspekte hängen zwingend zusammen: Jesus, das einzige Wort der Liebe des Vaters, ist wie der Vater selbst konsequente Liebe – bis zur Selbstaufopferung. Erst darin beweist sich letztlich seine Mission. Für uns Zuspruch und Anspruch: Zuspruch der Liebe Gottes, egal, was auch immer in unserem Leben passiert, in ihm geborgen zu sein. Und Anspruch, es ihm gleich zu tun und konsequent zu lieben.

 

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