Fußwaschung – eine meditative Betrachtung

Joh. 13, 1 Auszug

Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte.

Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.

Einer, der mein Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben.
Ich sage es euch schon jetzt, ehe es geschieht.
Amen, amen, ich sage euch: Wer einen aufnimmt, den ich sende, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.

Die Stunde ist gekommen, um zum Vater hinüber zu gehen

Es kommt die Zeit des Übergangs, des Hinüber-Gehens. Es die Frage wohin? Für Jesus gibt es diese Frage nicht: Er kehrt zurück in die Gemeinschaft des Vaters – zurück in die Vollkommenheit und Vollendung. Doch seine Liebe umfasst die Menschen so sehr, dass er deren Weg mit zu Ende geht. Bis in die Stunde des Todes und die Stunde der Entscheidung. Wohin gehen wir – in der Stunde des Übergangs? Viele wählen den Übergang in ein Nichts – in die vollständige Vernichtung, den vollständigen materiellen Zerfall, weil sie nicht daran glauben können oder wollen, dass es einen anderen Übergang gibt.

Die Fußwaschung – Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir

Gemeinhin wird die Stelle als Aufforderung Jesu gesehen, jedes Amt und Position, jede Stellung und Aufgabe als Dienst an der Gemeinschaft – und nicht als Macht über die Gemeinschaft – zu verstehen. Richtig! Die Dimension geht jedoch tiefer:

Wir sind auf den Dienst Christi an uns angewiesen. Ich bin auf den Dienst Jesu angewiesen! Wenn er sich nicht herunter beugt, wenn er mich nicht reinigt und heilt und mich befreit… Wenn er nicht meine Fehler, Sünden und Schuld abwäscht…Wenn er sich nicht zu mir in Liebe herab beugt… Dann bleibe ich ein Stück Erde mit Verstand und Bewusstsein, das zerfällt und zerbröselt. Ich muss um seinen Dienst bitten und ihn erbeten. Das gilt für mich – das gilt für seine Kirche und Gemeinschaft. Ohne seinen Dienst zerfällt alles. Wenn er sich nicht erniedrigt und mit mit mir ist – mit seiner Kirche geht – bis hinein in die Schichten, die schmerzen und weh tun, dann bleibt nur das sinnlose sich Abstrampeln für den Tod. Dann ist das das Ende der Kirche, das Ende eines Märchens: „Es war ein mal.“  Wir sind auf seinen Dienst – seine Zuwendung und seine Fußwaschung angewiesen! Wir sollten genau darum betteln. „Begreift ihr was ich an euch getan habe?“ – Begreifen wir, was er an uns tut?

Gemeinschaft: Wer vom Bade kommt ist rein – aber nicht alle sind rein…Wer einen aufnimmt, den ich senden werde, nimmt mich auf. Wer aber mich aufnimmt, beherbergt den allmächtigen Gott.

Jesu wäscht und reinigt und heiligt. Und so entsteht die Gemeinschaft der Jünger, es entsteht Kirche. Doch wer von all denen ist nicht rein? Bin ich selbst es? Der dort, oder die da? Bei wem sind es nur die Füße, die es noch zu waschen gilt? Es gibt die, die Jünger Christi und Teil der Gemeinschaft Christi sind, und doch ihre Ferse gegen Christus erheben um zuzutreten. Sicherlich habe ich schon oft die Ferse erhoben und bin auf Christus eingetreten. Wo hart und unbarmherzig gehandelt wird, wo vorschnell geurteilt wird, gehetzt und geschimpft wird.Dort wo nicht gedient, sondern geherrscht wird.  Dort, wo wir den Willen Gottes nicht erkennen können oder wollen und erst recht nicht seinen sondern unseren Willen geschehen lassen. Möglicherweise dann, wenn wir kein Vertrauen in sein Königtum haben. So weit ist keiner von  Judas entfernt, zuviel Judas steckt in uns selbst.  Uns steht kein Urteil zu. Wir wissen nicht wer Judas ist. Wir wissen nicht, was er aus eigenem freien Willen wirklich tut. Wir kennen nicht seine Rolle im Heilsplan Gottes. Wir kennen kaum unsere Rolle. Es ist Gottes Liebe, die sich erbarmt, die grenzenlos ist. Seinem Erbarmen vertraue ich mich an, vertraue ich den Judas in mir und den Judas in der Kirche an.

Herr Jesus: Ich vertraue mich deiner Liebe bis zur Vollendung an. Ich bettele um deinen Dienst, der mich heilen und heiligen kann. Ich bitte um die Gemeinschaft, die dich aufnimmt und mit Dir den in allen Dingen mächtigen Gott. Den Gott, der selbst in mir – selbst in dieser Kirche – Mächtiges, Ungeheures wirken kann. Lass mich in der Stunde, die kommen wird, aus dieser Welt mit Dir zum Vater hinüber gehen. Amen.