Kirche in schwerer See – auch im Kleinen

Da werden Petrus und seine Anhänger vor die Hohepriester geladen und es wird ihnen verboten, Jesus, den Auferstandenen, zu predigen.

Sie müssen Repressalien erleiden, sind aber zu guter Letzt froh, in dieser Weise unserem Herrn dienen zu dürfen. (Apg 5)

Sicher denken die meisten sehr schnell:

Na klar, die Hohepriester und Schriftgelehrten dieser Zeit waren ja auch böse und schlechte Menschen, die es ja nur darauf abgesehen haben, den Christen das Leben schwer zu machen.

Ist das so?

Vielleicht machen wir es uns mit diesem schnellen Urteil doch etwas sehr einfach, diese Dinge verstehen zu wollen.

Wenn uns einmal in diese hohen Herren hinein versetzen, können wir feststellen, dass sie – aus ihrer Perspektive heraus – ein gutes Ziel verfolgen. Sie sehen sich konfrontiert mit einer kleinen, dynamischen Bewegung, die bewährte Formen und Strukturen infrage stellen und damit bedrohen können.

Das ist nichts Außergewöhnliches.

Auch wir machen uns Sorgen, wenn wir vor Umbrüchen und größeren Veränderungen stehen:

Wie soll das werden? War es nicht gut so, wie es war? Kann es letztlich nicht nur schlechter werden, als wir es bisher hatten?

Sicher mischen sich bei den Hohepriestern und Schriftgelehrten auch persönliche Sorgen mit hinein, vielleicht, dass sie an Bedeutung verlieren könnten, an Einfluss und Macht.

Auch Missgunst und Neid können hier sicher eine Rolle spielen.

In unseren Tagen steht die Kirche wieder einmal vor großen Herausforderungen.

Auch heute geht es um Veränderungen, Verluste, Sorgen – und nicht zuletzt auch um die Gefühle der Betroffenen.

Im Bistumsprozess des Pastoralen Weges des Teilens hat unser Bischof Peter Kohlgraf (Bistum Mainz) diese Dinge sehr konkret angesprochen, und wir sind aufgerufen, uns auf diesen spannenden Weg Gottes mit seinem Volk – mit uns – mutig aufzumachen.

Allerdings stoßen auch hier wieder verschiedene Interessen aufeinander:

Junge, dynamische Teilgemeinden stoßen auf andere, die möglichst alles beim Alten lassen möchten.

Nicht zuletzt die Pfarrer und Priester alter Schule und alter Denkweisen tun sich schwer, die neuen Wege mitzugehen.

Da erscheint es in manchen Pfarreien und Pfarrgruppen zunächst einfacher, die kleineren Gemeinden noch kleiner werden zu lassen, damit die größeren überleben können und auch personell besser verwaltet werden können.

Das ist nicht im Sinne unseres Bischofs, der ja möchte, dass Pfarrei – als Verwaltungseinheit – und Gemeinde -als lebendige Glaubensgemeinschaft vor Ort – getrennt betrachtet werden sollten, ja, dass sogar Verantwortung von der Pfarrei an die Gemeinden abgegeben werden sollte.

So könnte es passieren, dass gutmeinende Entscheider vor Ort, ähnlich besorgt wie damals die Hohepriester, eher dazu neigen, Lebendiges zu verbieten, als es zu ermöglichen.

Wie der Volksmund sagt:

Das Gegenteil von gut ist oft nicht böse, sondern gut-gemeint.“

Für uns hier vor Ort hat das eventuell z.B. die Folge, dass während der Sommerferien an mehreren Sonntagen die Kirchentür geschlossen bleiben soll, um die Gläubigen schon einmal dazu zu motivieren, die Gottesdienste in den benachbarten größeren Kirchen zu besuchen – auch wenn wir genau für diese Engpässe einmal aufgefordert wurden, Menschen für eine Ausbildung zur Wort-Gottes-Feier-Leiterin zu gewinnen.

Vor Ort haben wir übrigens drei Wort-Gottes-Feier-Leiterinnen und einen Diakon, welche an den genannten Sonntagen durchaus Gottesdienste gestalten könnten.

Über die Motive, warum es trotzdem verschlossene Türen bei uns geben soll, lässt sich trefflich spekulieren. Das soll jetzt hier nicht geschehen.

Was bleibt, ist die Erkenntnis der jungen Gemeinde des Petrus, wie wir sie in der Apostelgeschichte lesen dürfen:

Auch gegen Einschränkungsversuche von außen, wächst die Gemeinde. Sie werden immer mehr und lassen sich weder das Gebet, noch die Verkündigung verbieten. Ja, Petrus und seine Freunde sind sogar ein wenig stolz darauf, dass ihre Glaubensdynamik so ernst genommen wird, dass sie Repressalien provoziert.

Das sollte uns ein Vorbild sein.

Was auch immer kommt:

Wir dürfen sicher sein, dass Jesus Christus alle Tage bei uns ist und uns als Gemeinde am Leben erhalten wird. Wir brauchen uns also im Gegensatz zu den mächtigen Entscheidern keinerlei Sorgen zu machen.

Und wir dürfen letztlich auch von Petrus lernen:

Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen!“