Vergoldete Kreuze

Es gibt Kreuzanhänger – als Schmuckstück – als Ohranhänger – als Armschmuck. In Gold oder Silber gefasst, manchmal mit einem funkelnden Stein versehen.

Was drückt jemand aus, der so ein Kreuz offen trägt? Was sagt das über denjenigen aus, der es trägt? Ich war so frei und habe mal nachgefragt: „Mir gefällt es einfach – es ist schön – keine Ahnung“ war nicht selten die Antwort.

So ein Kreuz ist wirklich schön und gefällt mir auf eine besondere Weise.

Dabei ist so ein Kreuz erst einmal gar nichts Schönes. Es redet von Tod, Vernichtung, Grausamkeit, Unmenschlichkeit und Entwürdigung. Der Grausamkit des Kreuzes begegnen wir immer wieder in den unterschiedlichsten Formen. Nicht etwa ein glorifiziertes Geschehen in der Vergangenheit, sondern gekreuzigt wird mitten unter uns: Die existenzielle Angst bei Krebsnachricht – zu sehen, dass  50 Jahre alte Ehefrau immer mehr in der Dämmerung der Demenz versinkt. Der grausame Tod der eigenen Kinder. Aber auch die Lust jemanden öffentlich zu verhöhnen, Mobbing- Stalking. Die Gier nach Sensation kennt keine Intimsphäre mehr. Das zerkratzte Gesicht einer langjährigen Drogenkarriere wird zur Fratze, die völlig verunsichert drein blickt und weiß, dass sie nichts mehr geregelt bekommt.

Das Kreuz erzählt von Schuld der Täter. Hinter vielem steht nicht ein Schicksal an dem man halt nichts ändern kann, sondern die Tat oder Untat derer, die all das verursachen. Oder einfach tatenlos daneben stehen. Das Kreuz spricht indirekt auch von der Tiefe und Un-Umkehrbarkeit der Schuld. Ich kann sie nicht mehr rückgängig machen.

Was ist an diesen Kreuzen schön? Nichts. Warum sind sie dann vergoldet und strahlen? Weil Gott in das Leid dieser Kreuze hinein geht. Er beugt sich bis in die tiefsten Abgründe und Schmerzen. Er teilt sie und lässt sich selbst treffen von der Verachtung und Entwürdigung die hier geschieht. Aber er ist auch der Gott der Liebe, des Erbarmens und der Gott der Wandlung und Veränderung. Er teilt nicht nur das Leid, sondern in diesem Teilen sagt er uns die letztendliche Verwandlung zu – eben die Vergoldung des Kreuzes.

Ich habe gerade kein wirkliches Kreuz dabei – eher ein Medaillon – auch mit Gold und Strahlen. Da ist noch viel Rot zu sehen. Es erinnert an Blut. Blut für vergossenes Leben. Es ist aber gleichzeitig ermöglichtes Leben. Gott gibt uns sein Blut, sein Leben. Er will, dass sein Leben, sein Blut, seine Lebenskraft in uns wirkt und ein neues Leben in Gott und mit ihm ermöglicht.

Ich finde vergoldete Kreuze gut.