Heilige Familie – die Familie ist heilig

Wir feiern heute das Fest der Heiligen Familie.

Damit gehören wir in einem mehrfachen Sinne zu einer Minderheit.

Zum einen, weil wir im Vorbild der Heiligen Familie unseres Erlösers ein nachahmungswürdiges Verhaltensschema sehen: Die Familie ist uns heilig.

Zum zweiten, weil für uns nach wie vor gesagt werden darf, dass es zwischen Männern und Frauen Unterschiede gibt.

Zum dritten, weil wir selber versuchen, dieses Lebensmodell zu leben.

Zum vierten, weil wir davon überzeugt sind, dass für die Entwicklung unserer Kinder, unserer Kultur und letztlich unserer Gesellschaft dieser familiäre Geist unverzichtbar ist.

Die traditionelle Familie mit einem weiblichen, einem männlichen Elternteil und Kindern, die dauerhaft miteinander leben, ist selten geworden.

Warum ist das so?

Es gibt durchaus benennbare Gründe dafür.

Damit familiäres Leben gelingt, braucht es Motivation und die Bereitschaft der einzelnen Beteiligten, sich selbst zurück zu nehmen und diesem Projekt einen höheren Rang im Leben zu geben.

Wenn jeder nur darauf schaut, möglichst wenig für andere tun zu müssen und möglichst viel Bequemlichkeit für sich selbst zu haben, dann kann es nicht gelingen.

Zuweilen geht dann heute die Bequemlichkeit so weit, dass Partnerschaften junger Leute, nein, leider auch schon etwas älterer Leute, per SMS oder Whatapp-Nachricht beendet werden. Schmerzlicherweise manchmal sogar, ohne ein nachfolgendes klärendes Gespräch, was viel Leid verursacht.

Das Dumme an unserer Gesellschaftsentwicklung – weg von der Familie – , welche übrigens von manchen politischen Parteien aktiv betrieben wird, ist, dass die Kinder dieser nicht-familiären Kultur natürlicherweise immer weniger bereit sind, sich auf das Abenteuer der Familie einzulassen, weil die beglückenden Erfahrungen von Familie erst gar nicht erlebt wurden.

Es ist also immer leichter, der Jugend einzureden, dass Familie überholt, langweilig, traditionell, unbequem und verzichtbar ist, weil die sie die schönen familiären Momente, den Zusammenhalt, die gegenseitige Fürsorge, auch das Streiten, Versöhnen und Verzeihen, ja im Grunde nie kennengelernt haben.

Ja, die Familie fordert uns einiges ab:

Da geht es um das Übernehmen von Verantwortung füreinander,

es geht um Treue,

es geht um den Mut, sich auf konkrete Menschen dauerhaft einzulassen,

es geht um Rücksichtnahme,

es geht um Gemeinsinn: „Welche Entscheidung ist für uns alle gut und nicht nur für die einzelne Person?“

Das macht Mühe und auch nicht immer Spaß.

Aber der Lohn einer beständigen Familie ist groß:

In der Familie gibt Menschen, die an mich denken, an deren Leben ich teilhaben darf und damit reich beschenkt werde.

Es gibt Menschen, die mir vertraut sind, bei denen ich auch mal weinen darf, oder die mich auch mal in den Arm nehmen und mich trösten, mir Mut zusprechen und vielleicht auch mal ein Küsschen geben.

Und wenn es gelingt, immer wieder zur Versöhnung zu kommen, dann können wir durchaus davon sprechen, dass die Familie ein Ort der Liebe ist.

Und genau das ist der Grund, warum uns die Familie heilig ist:

In der Familie sind wir eine Schicksalsgemeinschaft, die wir nicht selbst erschaffen haben.

Wir sind einander zugeordnet und es ist auch eine Form von Demut und Gehorsam, dieses Schicksal anzunehmen.

– Der Heilige Joseph kann uns da übrigens sicher ein Liedchen davon singen.

Ja, auch in der Heiligen Familie war nicht jeden Tag Sonnenschein.

Und dennoch – oder besser: gerade deswegen – ist sie uns ein Vorbild an Demut, Liebe, Gehorsam und Hoffnung, Vertrauen und Treue.

Die Familie gibt uns einen Halt in dieser Welt.

Es drängt sich da der Eindruck auf, dass die Haltlosigkeit in der Gesellschaft unserer Tage etwas zu tun hat mit dem Niedergang der Ehe und Familie, dem Niedergang der natürlichen Landwirtschaft, des Kleinhandwerkes und – der Religiosität.

Die Religiosität ist allerdings nicht wirklich verschwunden. Es wird – genauso wie beim Niedergang der Familie – hier nur das Bequemere gesucht:

Die Kirche mit ihrem Anspruch auf die Übernahme von Verantwortung für die Botschaft Jesu ist das wohl weniger bequeme, als die aktuell sehr beliebten spirituellen Baukastensysteme von esotherischen und östlichen-spirituellen bunten Bausteinchen, die nach Belieben zusammengestellt und auch wieder neu gruppiert werden können.

Das ist – ähnlich wie Partnerschaften auf Zeit und die meisten patch-work-Familien – zwar teilweise befriedigend, aber Halt gibt erst die Verlässlichkeit und die Treue, welche auch Holperstrecken übersteht.

Was ist nun der spirituelle Hintergrund dafür, dass die Familie für uns heilig ist?

Genau derjenige, der gerade benannt wurde: Gott ist treu. Gott ist beständig. Gott ist über alles erhaben. Ohne Ausnahme.

Das ist der Grund, weswegen wir glauben dürfen, dass seine Liebe für uns nie aufhört.

Wenn wir es schaffen, in der Familie Beständigkeit, Treue und natürlich Liebe zu leben, dann werden unsere Familien zum heiligen Ort.

Dann dürfen wir in unseren Familien erleben, was wir von Gott glauben:

Hier gehören wir hin, hier sind wir zuhause.