Pfingsten ereignet sich an Karfreitag-Ostern-und immer wieder neu

Dr. theol. Eckhardt Türk schrieb mir nachfolgende Pfingstgrüße,

In diesem Jahr wird vielleicht einmal das deutlich, was das Johannesevangelium schon immer sagt: Oster und Pfingsten fallen auf einen Tag.
Für Johannes ist das Kreuz der Ort der Auferstehung (Erhöhung) und dort „übergibt“ Jesus den Geist an die unter dem Kreuz Stehenden. Für uns ist das ein starkes Oster- und zugleich Pfingstbild, das ich deshalb dieses Jahr auch erst an Pfingsten verschicke. In den Wunden des Gottesknechtes sehen wir die Wunden der Menschen und unsere eigene Zerrissenheit. Das fügen wir nicht aus eigener Kraft wieder zusammen. Aber indem wir uns im Gekreuzigten den Geist Gottes zusagen lassen, wird uns in seinen Wunden Heil.

Im Kreuz – im Tod – durch den Tod hindurch – ereignet sich die Verherrlichung und Erhöhung Jesu zum Vater. In diesem Ereignis nimmt Jesus den Kelch des bitteren Essigs an und trinkt ihn aus. Ihn dürstet nach Leben, nach Gemeinschaft mit Gott, nach Heil, Liebe und Leben – und er erhält den bitteren Essigkelch des Hasses, Leidens, des Todes.

Er wird gereicht an einem Ysop-Zweig, der nicht geeignet ist zum Hochreichen an das Kreuz, weil er so leicht biegsam ist. Mit Ysopzweigen wurden jedoch in Ägypten die Türpfosten mit Blut bestrichen, um den Tod abzuwenden. Aus der Seite fließen Blut und Wasser: Das Blut – Sitz des Lebens: das Leben, das ewige Leben durch Jesu – und das Wasser des Lebens, das keinen Durst mehr zulässt (Ps 77.1, Jes 55.1, Joh. 4,14). Das Wasser der Reinigung, das keine Schuld mehr kennt. Der Geist Gottes selbst. Er wird gegeben an die, die sich unter das Kreuz stellen, die sich von Christus anblicken lassen.

Nur im Geist Gottes kann Christus erkannt werden, nur in der Begegnung Christi wird der Geist gegeben. Beides gehört zusammen. Nur im Geist Gottes erkennt Maria Magdalena und Johannes den Auferstandenen. Auch Petrus bleibt verwirrt im leeren Grab stehen und weiß es nicht zu deuten. In Joh. 20, 19 haben die Jünger der Botschaft Maria Magdalenas nicht geglaubt. Sie sind voller Furcht und haben sich eingeschlossen. Jesus tritt in ihre Mitte – sie schauen auf seine Wunden, sie lassen sich anschauen und stellen sich unter den Gekreuzigten. Sie erhalten das Wasser des Lebens – den Geist Gottes (Ps 77.1, Jes 55.1, Joh. 4,14), der lebendig macht.

Pfingsten ereignet sich immer wieder neu. Immer wieder von Neuen müssen wir uns unter das Kreuz stellen, müssen wir die Wunden unserer Zeit, unsere Wunden in Christus finden und uns von ihm heilen lassen. Geist Gottes ist dynamisch, kreativ, gestaltend und sich konkret ereignend. In diesem Geist geschieht Versöhnung, Vergebung und Vereinigung. Wo dies geschieht, geschieht es aus dieser Quelle des Lebens. Er ist lebendiges Wasser, Leben spendendes Wasser in der ganzen Fülle Gottes.

Immer wieder neu muss sich der Geist Gottes in uns Bahn brechen. Immer wieder neu muss sich Pfingsten in unserer Gesellschaft und Welt ereignen. In uns, im kleinen Kreis von wenigen – im großen Kreis des Weltgeschehens.

Geist Gottes ist aber noch weit mehr als nur etwas für Christen, Europäer, Monotheisten. Geist Gottes durchweht die ganze Welt. Er ist in allen Sprachen, Ländern und Nationen. Er weht wo Gott will, und wirkt was er will. Es ist das Feuer, das auf die Erde geworfen ist und dessen Glut und Hitze, in den Herzen brennt und in den Völkern und in der Kirche immer wieder neues Feuer entfachen kann.

Joh 19, 28:

Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. Ein Gefäß voll Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. 30 Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist… Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht,  sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus.  Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.  Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.

Joh 7, 38

 Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir und es trinke,  wer an mich glaubt! Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.

Joh 20, 19

 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.  Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.  Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!  Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Apg 2, 5

In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.7 Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:  Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien,  von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,  Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.