St. Martin fällt aus

St. Martin ist dieses Jahr ausgefallen. Schade für die Kinder. Aber ansonsten…Die Mantelteilung ist eigentlich sinnlos: Von einem halben Umhang hat niemand etwas, weder der Bettler, noch Martin.  Ärger kriegt Martin so oder so: Sein Mantel ist futsch. Das muss er erklären. Er wird einen neuen beantragen müssen, vielleicht vom Sold abstottern. Da wäre es besser gewesen, dem Bettler den ganzen Mantel zu geben.

Was soll also diese Erzählung?

  • Aufruf zum Teilen – na schön. Dann ist es aber nicht mit eine Spende von 30€ getan. Die Hälfte von meinem Gehalt? Gerade so viel behalten, dass es noch für mich reicht zum Leben? Da wird es aber bitter ernst, und es gibt kaum jemand, der das wirklich will.
  • Mit dem Schwert durchtrennen. Einen Schnitt machen. Etwas durchtrennen – abtrennen. Einen Lebensschnitt – ein Schnitt durch die Zeiten und die Welten. Mich von etwas trennen. Von was soll ich mich trennen? Welcher Lebensschnitt ist für mich notwendig? Was muss ich hinter mir lassen und abgeben?
  • Martin teilt nicht den Mantel, er teilt nicht seinen Reichtum mit anderen: Martin teilt die Armut des Bettlers! Er nimmt das Leben eines Bettlers an! Das ist das Krasse. Es ist keine verbale Solidarität mit einer Idee, einer Ideologie, sondern er wird das, was er gesehen hat: arm und bedürftig. Manchmal denke ich, dass sich das die Friday for future- Kids und all die guten Helfermenschen auf Demonstrationen und Veranstaltungen mal überlegen sollten: Es ist sehr leicht sich auf das Ross des moralisch höher Stehenden zu setzen. Es ist leicht zu fordern, die Erwachsenen sollen dies oder jenes tun, aber selbst sich von Mama zum Bahnhof und an die Schule fahren lassen, das neueste Handy ist immer online und Chatten was das Zeug hält. Es ist leicht für die Aufnahme von Flüchtlingen zu demonstrieren und den Anderen Menschenfeindlichkeit vorzuwerfen. Diese Leute zu begleiten, gegen eine ganz andere Kultur anzugehen, die selbst voller Vorurteile gegen Gleichberechtigung, Toleranz und Respekt ist. Als Begleiter die Abwertung zu ertragen, weil man kein Muslim, sondern Nazarener ist. Einem Anspruchsdenken ausgesetzt sein, das mehr einfordert als an Eigeninitiative da ist. Das alles ist etwas Anderes als sich lautstark als den besseren Menschen darzustellen. Doch braucht es nicht auch der Mahner, die die Fragen und Aufgaben vor Augen stellen?
  • Die Armut teilen – nicht den Mantel. Das ist Advent und Weihnachten. Weil Gott unsere Armut teilt. Denn in Wirklichkeit sind wir alle arm. Arm im Geiste, weil wir nur einen Bruchteil verstehen, sehen und beurteilen können. Weil wir hin und hergerissen werden von der Frage, was jetzt richtig oder falsch ist. Wir sind erbärmlich arm, weil jeder von uns eben nicht souverän und eigenständig ist, sondern gefesselt von so vielen Abhängigkeiten, Vorgaben und Vorstellungen, dass wir ohne andere noch nicht mal in die nächste Stadt fahren könnten, keine Nahrung und kein Wasser hätten. Wir sind erbärmlich abhängig von allem Möglichen. Armes Menschlein, das glaubt groß und stark zu sein, und kaum versieht es sich, wird es krank, verliert Arme und Beine und den Verstand, macht in Hose und kann nur am Rollator gehen. Menschlein, das im Wahn lebt, alles drehe sich nur um es selbst, und dann ist es weg, gestorben, beerdigt, verwest.

In Christus teilt Gott nun unsere, diese Armut. Er setzt sich der absoluten Armut des Menschseins aus und nimmt sie körperlich an. Adveniat – Maranatha: Komm Herr Jesus und nimm meine Erbärmlichkeit und Kleinheit an! Komm zu mir und teile mein Leben! Christus nimmt diese Armut an, ohne daran zu zerbrechen. Er nimmt sie an, ohne den Glauben, die Liebe, die Zuneigung zu dem allmächtigen Gott zu verlieren, sondern schöpft geradezu aus der Quelle Gottes den ganzen Geist des Allmächtigen in sich und sein Leben hinein.

Wer kann das von uns sagen? Wer ist zu so etwas fähig? Das ist die wahre Größe des hl. Martin – weit weg von jedem Laternenumzug, Brezelteilen und Glühwein trinken.

Letztlich wird auch der Mantel geteilt: Christus teilt unsere Armut und schenkt uns den einen Mantelteil seiner absoluten Herrlichkeit, Geborgenheit, Wärme und unzerstörbaren Lebens. Amen