. . . als Abbild Gottes schuf er ihn.

Abbild Gottes? Der Mensch Gott gleich oder ähnlich? Wie soll denn das gehen? – – – Geht!

Im Schöpfungsbericht Gen 1, 27 steht dazu ganz unmissverständlich und auch noch einmal durch Wiederholung unterstrichen:

 „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.“

Nur – wie soll man das verstehen? Soll das etwa heißen, dass Gott auch an jeder Hand fünf Finger hat? Das sicher nicht.

Wenn wir die Frage stellen, wovon wir eigentlich ein Abbild sein sollen, wäre es hilfreich zu wissen, wie Gott sich selbst beschreibt. Dann wird es nämlich klarer.

 „Ich bin der „Ich-bin-da“.“  (Ex 3,14b)

Wenn jemand „ich“ sagt, spricht er über sich selbst. Er weiß, dass er da ist. Er ist sich seiner selbst bewusst. Gott ist also Bewusstsein. Eine Person, die von sich selbst weiß, dass sie da ist.

Und genau darin liegt unsere Gottes-Ebenbildlichkeit: Wir sind ebenfalls Personen, die von sich selbst wissen, dass sie da sind. Die Tiere haben ein solches Bewusstsein nach allem derzeitigen Kenntnisstand nicht. Nur der Mensch.

Dieses Bewusstsein durchdringt mich, ist überall in mir vorhanden. Und doch bin ich, also dieses Bewusstsein von mir selbst, mehr als nur mein Körper.

Die göttliche Substanz unseres Seins Repräsentanz in unserem Sein ist also unser Bewusstsein – dieses ist wie Gott selbst unsterblich. Wir stammen aus dem allumfassenden Bewusstsein und kehren dorthin zurück.

Wir sind Kinder Gottes: „Fleisch“ von seinem „Fleisch“, also Bewusstsein von seinem Bewusstsein. Allerdings sehr begrenzt.

Wir werden dann nach unserem Tod Anteil haben an der Allwissenheit Gottes und ihn damit „von Angesicht“ sehen, weil wir dann alles von einander wissen werden. Und wir werden leben. Weil unser subjektives Gefühl des „Ich bin da“ in Gott weitergeht. Es wird da (wenn alles glatt geht) keinen Bruch geben vom „Ich bin da“ in unserer menschlichen Identität zum „Ich bin da“ in Gott. Dann leben wir ewig.

Kommentar von Prof. Peter Knauer SJ:

  1. Im christlichen Verständnis (also wenn man die Schrift Israels mit christlichen Augen neu liest, besteht unsere Gottebenbildlichkeit darin, dass wir als aufgenommen in die Liebe des Vaters zum Sohn von Gott mit der einen und einzigen Liebe geliebt werden, in der er seinem eigenen Sohn zugewandt ist.
  2. Der Name Gottes nach Ex 3,14: ehjeh ascher ehjeh bedeutet wohl eher nicht „ich bin der ich-bin-da“, sondern einfach nur „ich bin, der ich bin“ und drückt die Unabhängigkeit von jeder Außenbestimmung aus. Es hat eine ähnliche die grammatische Struktur wie der Ausdruck „sende mich wohin du mich sendest“ (Ex 4,13) oder Ex 16,23: „backt, was ihr backt und kocht, was ihr kocht“ oder Jer 1,7: „Du sollst gehen, wohin ich dich sende“. Das war die Deutung von H. Renckens SJ, einem holländischen Alttestamentler.
  1. Ich würde nicht von „unserer göttlichen Substanz“ sprechen. Das Geschaffene ist nicht ein Teil Gottes, auch nicht in eingeschränkter Form.
  2. Dass auch der Tod nicht aus der Gemeinschaft mit Gott herausreißen kann, sollte wohl eher nicht in die Formulierung (für die man Gott nicht braucht) umgewandelt werden, man würde weiterhin das Gefühl des eigenen Daseins haben.

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