Joseph von Nazareth, eine ganz besondere Persönlichkeit

Der heilige Josef, Bräutigam der Gottesmutter und Ziehvater des Messias, ist eine ganz besondere Persönlichkeit in der Heiligen Schrift.

Er bleibt stets im Hintergrund und es ist von ihm kein ausgesprochenes Wort überliefert. Ein stiller Mann.

Er wird von den Evangelisten Matthäus und Lukas erwähnt.

Nach beiden Evangelien war Josef davidischer Abstammung:

das Bindeglied zwischen dem davidischen Königshaus und dem Messias.

Er war ein Mann des Glaubens und des Vertrauens, Mitwisser göttlicher Geheimnisse, ein großer Schweiger.

Als Gatte der Jungfrau Maria hat er an Jesus die Stelle des Vaters vertreten. Wie lange Josef gelebt hat, wissen wir nicht; das letzte Mal wird er bei der Osterwallfahrt mit dem zwölfjährigen Jesus erwähnt.

Warum ist er uns dann so wichtig?

Was ist das besonders Erwähnenswerte an seinem Leben?

Was macht ihn uns zu so einem besonderen Vorbild?

Sicher, zunächst seine biographische Nähe zu Jesus Christus, dem Messias. Und zwar von Anfang an.

Aber einmal davon abgesehen: Was sind seine ganz ureigenen Wesenszüge, die uns so faszinieren sollten?

Schauen wir uns doch einmal die Berichte über seine Person genauer an.

Er war entschlossen, Maria zu verlassen, als er merkte, dass sie schwanger war, ohne dass er etwas damit zu tun hatte. Allerdings wollte er das – weil er „gerecht“ war – in aller Stille tun, um sie nicht zu kompromittieren.

Was sagt uns das?

Er war ein gerechter, rücksichtsvoller und friedfertiger Mann. Er hätte Maria auch bloßstellen können, sie anschreien, evtl. schlagen können.

Nichts davon.

Er war ein gläubiger Mensch. Wir erfahren, dass er offen war für die Begegnung mit den Engeln, welche ihm Weisung gaben. Das geht nur, wenn diese Offenheit durch Gottesfürchtigkeit hergestellt ist.

Auch war er ein in besonderer Weise gehorsamer Mann. In allen Momenten, in denen er Anweisungen der Engel erhielt, ging er ohne Zögern daran, diese Vorgaben umzusetzen. Denken wir dabei an die Flucht nach Ägypten vor den Soldaten des Königs Herodes. Aber auch schon vorher, als er gehorsam zur Volkszählung nach Bethlehem zog.

Er ist ein gerechter, nachdenklicher Mann. Auch nach der Episode im Tempel bleibt er besonnen – Maria macht Jesus die Vorhaltungen, nicht Joseph.

Manches über ihn wird auch dadurch deutlich, dass bestimmte Dinge auch in besonderer Weise nicht über ihn berichtet werden.

Wir erfahren nicht, dass Jesus und Maria Hunger oder Armut gelitten haben. Das lässt darauf schließen, dass er ein fleißiger Mann war, der stets genug gearbeitet hat.

Wir erfahren ebenso nicht, dass er ungerecht, fordernd, streitend, gewalttätig, unterdrückend, wichtig-tuerisch o.ä. war.

Letztlich erfahren wir auch, dass er ein mutiger Mann war.

Zum einen durch seine sicher nicht leichte Entscheidung, bei Maria zu bleiben und den kleinen Sohn anzunehmen.

Zum anderen, sich ohne zu Zögern z.B. nach Ägypten aufzumachen, oder sich in Nazareth anzusiedeln. Das alles erfordert auch Entschlossenheit.

Vielleicht geht es Ihnen bei diesen Überlegungen wir mir:

Es ist erstaunlich, wie viele Eigenschaften – dieses ansonsten unspektakulären Mannes – aus den so sehr wenigen biblischen Aussagen über ihn zu erfahren sind.

Und mehr noch:

Alle Eigenschaften, die wir gefunden haben sind letztlich vorbildlich, vor allem vielleicht der Gehorsam, besonders der Glaubensgehorsam, die Gerechtigkeit, seine durchgängige Dienstbarkeit und die Friedfertigkeit.

Mir eine besondere Freude ist seine stets dienende Haltung.

Er ist für mich insofern der faktisch erste und in besonderer Weise vorbildlichste Diakon, den ich mir vorstellen kann:

Er bleibt in seinem demütigen Dienst fast unsichtbar bis in seinen unbekannten Tod.

Auf der anderen Seite allerdings ist er in seinem wortlosen Handeln unverzichtbar und wesentlich für die gesamte Heilsgeschichte: Ohne diesen redlichen und treuen Dienst wäre das Ganze letztlich so nicht möglich gewesen.

Eine diakonische Kirche hat sich auch unser Papst Franziskus gewünscht. Wenn die Kirche – also wir alle – sich ihres Patrons in der genannten Weise immer mehr bewußt wird, kann das gelingen.

Vielen Dank, lieber Joseph.